Kritik an Bertelsmann-Studie: „Krankenhäuser sind mangelausgestattet“

Krankenhaus-Personal läuft durch einen Krankenhaus-Flur (dpa / imageBROKER / Harry Hart)
Engpässe beim Personal – der Marburger Bund erwartet vor allem mehr Geld (dpa / imageBROKER / Harry Hart)

Der Marburger Bund hält die Empfehlungen der Bertelsmann-Studie zu Krankenhäusern in Deutschland für übertrieben. Es sei ziemlich simpel, vom grünen Tisch aus einen Kapazitätsabbau zu propagieren, wenn man die Bedürfnisse der Menschen vor Ort unter den Tisch fallen lasse, sagte der Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Henke.

Die geforderte Neuordnung der Krankenhauslandschaft sei in der Realität schon eingetreten, betonte der Ärztevertreter im Deutschlandfunk. In den vergangenen 25 Jahren habe es einen erheblichen Rückgang an Häusern und Betten gegeben. Darüber hinaus sehe er nicht die politische Bereitschaft, das nötige Geld zu investieren, um neue, zentrale Krankenhäuser zu bauen. Viele Kliniken seien mangelausgestattet sowohl bei den Pflegekräften als auch bei den Ärzten, betonte Henke.

Viele Betten im internationalen Vergleich

Der Gesundheitsökonom Wasem forderte einen Kompromiss. Der Professor für Medizinmanagement an der Universität Duisburg-Essen sagte ebenfalls im Deutschlandfunk (Audio), einerseits sei man sich einig, dass die Kapazitäten der Kliniken sinken sollten; andererseits solle sich für die Patienten möglichst wenig ändern. Irgendjemand müsse dieses gordischen Knoten durchschlagen und das könne eigentlich nur die Politik sein.

Wasem gab den Wissenschaftlern der Bertelsmann-Stiftung dahingehend recht, dass Deutschland im internationalen Vergleich über zu viele Krankenhäuser und zu viele Betten verfüge, und dass die Patienten zu oft und zu lange stationär aufgenommen würden. Rein auf die Qualität bezogen sei es eine ernstzunehmende Option, sich von kleineren Krankenhäusern zu verabschieden, meinte Wasem. Nicht zu vernachlässigen sei aber auch, dass Kliniken gerade im ländlichen Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und der größte Arbeitgeber seien.

Dlf-Hauptstadtkorrespondent Theo Geers kommentiert, die Bertelsmann-Forderung, 800 Kliniken zu schließen, sei überzogen. Es gehe bei der Notfallversorgung auch um das Gefühl, nicht abgehängt zu werden vom Rest in Deutschland. Der Journalist vermutet: „Wenn Positionen so weit auseinander liegen spricht viel dafür, dass die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen muss.“

„Vor allem in Großstädten Überangebot“

In der Studie heißt es, kleine Krankenhäuser verfügten oft nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle angemessen zu behandeln. Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich deshalb vermeiden, wenn die Zahl der Krankenhäuser reduziert würde. Zudem könnten bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal gesenkt werden.

Vor allem in Großstädten gebe es ein Überangebot an Kliniken, wird in der Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung erläutert. Mit deutlich weniger Krankenhäusern wären die Patienten besser versorgt, meinen die Autoren. Zudem könnten bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal auf diese Weise reduziert werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler werden derzeit zu viele Menschen stationär aufgenommen, obwohl sie ambulant behandelt werden könnten.

„Zerstörung von sozialer Infrastruktur“

Die Bundesärztekammer hatte die Vorschläge bereits als „befremdlich“ zurückgewiesen. Eine flächendeckende Versorgung müsse sichergestellt sein, betonte Verbandspräsident Reinhardt. Auch im Katastrophenfall hätten Krankenhäuser eine wichtige Funktion. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft kritisierte, wer vorschlage, einen Großteil der Kliniken platt zu machen, propagiere die Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß.

Der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach sagte der „Augsburger Allgemeinen„, eine Reduzierung der Kliniken von 1.400 auf 600 Häuser hielte er für falsch. Überkapazitäten gebe es vor allem in den Städten, auf dem Land aber drohe vielerorts eine Unterversorgung. Auch der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Nüßlein erklärte, dass die Zahl der Betten zu hoch sei, bedeute nicht, dass es zu viele Krankenhäuser gebe.

Der Obmann der FDP im Gesundheitsausschuss, Ullmann,begrüßte hingegen die Ergebnisse der Untersuchung. Er sagte im Deutschlandfunk, es brauche eine Strukturreform der Krankenhäuser. Dadurch könnten Häuser auf dem Land sogar aufgewertet werden.

Quelle: Deutschlandfunk vom 16.07.2019 

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3 Kommentare zu Kritik an Bertelsmann-Studie: „Krankenhäuser sind mangelausgestattet“

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  2. Kleiner Grauer sagt:

    Bertelsmann hat den gleichen Auftrag wie „IM Erika:“ zerstöre.
    Es macht keinen Sinn die unsinnige Studie zu zerlegen! Die trägt als positiven Effekt zur Selbstzerstörung dieser Organisation Firma BRiD bei! Gut so. Setzen fünf, aber weitermachen. Verbinde die Punkte, Sie zeigen den Fehler.

  3. Baufutzi sagt:

    Bertelsmann ist ein zionistischer Verein und damit erklärt sich alles von selbst. Einer von vielen Zerstörungsbausteinen.

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