Alarm-Knopf letzte Rettung – Tatort Kinderkrankenhaus: Eltern greifen Personal an!

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Dr. Johannes von Thaden (61) ist Koordinator der Kinderärztlichen Notfallpraxis an der Amsterdamer Straße.

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Carsten Rust

Köln – Tatort Krankenhaus: Die Leitung der Notfallpraxis am Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße erklärte im EXPRESS, wie die Zahl von Diebstählen überhandnimmt. Doch es gibt noch eine schwerwiegendere Entwicklung, die  Ärzten und medizinischen Angestellten Sorgen bereitet – verbale und körperliche Gewalt gegen das Personal.

Aggressionspotenzial steigt zunehmend

„Seit einem guten halben Jahr merken wir, dass das Aggressionspotenzial unter den Patienten, bzw. unter deren Angehörigen, steigt“, sagt Johannes von Thaden, Kinderarzt und Koordinator der Notfallpraxis an der  Kinderklinik. Jedes Jahr kommen 40.000 kleine Patienten mit ihren etwa 60.000 Familienangehörigen in die Praxis. „Viele denken, dass sie bei uns der Reihe nach drankommen. Aber wir müssen nach Verletzung oder Erkrankung entscheiden, wer zunächst behandelt werden muss“, so von Thaden. Viele akzeptieren das nicht und verlieren jegliche Hemmungen.


Beschimpfungen, Drohungen und Handgreiflichkeiten

„Du dreckige H***, mein Sohn ist jetzt dran. Ich weiß wann du Feierabend hast und rauskommst“, ist eine von vielen verbalen Entgleisungen, der sich die überwiegend weiblichen Mitarbeiter in den vergangenen Wochen ausgesetzt sahen. „Eine Kollegin ist gepackt und geschüttelt worden. Eine andere schlug ein Mann mit ihrem Kopf gegen einen Schrank“, berichtet Andrea Saß von der Praxisleitung.

Johannes von Thaden will daher Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. „Wir werden am Tresen einen Alarmknopf installieren. Drückt eine Arzthelferin da drauf, ertönt der Alarm in allen Behandlungszimmern und wir können der Kollegin zu Hilfe eilen. Zudem werden wir eine Trennscheibe anschaffen, damit aggressive Familienangehörige von Patienten nicht mehr einfach über den Tresen hinweg unsere Mitarbeiterin anpacken können.“

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Alarmknöpfe sollen unter dem Schreibtisch installiert werden.

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dpa

Personal ist an der Belastungsgrenze

Dieses Phänomen zieht sich durch sämtliche Gesellschaftsschichten und Nationalitäten. Eine Ursache der Konflikte benennt Dr. Jürgen Zastrow, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Köln: Lange Wartezeiten könnten nämlich vermieden werden.

„Nach aktueller Versorgungsforschung sind lediglich ca. 30 Prozent der Patienten, die Notdienst in Anspruch nehmen, medizinisch auch als Notfall anzusehen.“ Demnach könnten 70 Prozent der Notfallpatienten auch am nächsten Tag einen Hausarzt aufsuchen. Doch viele würden hoffen, beim Notdienst schneller dranzukommen.


Weine der Pfalz

Das sei ein gesellschaftliches Problem, das um sich greife, so Zastrow: „Ich höre das von vielen Ärzten und Mitarbeitern. Manche wissen nicht mehr, wie lange oder ob sie überhaupt dieser Belastung stand halten können.“

Quelle: Kölner Express vom 06.05.2016

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