Covid-19 – Corona-Protest in Stralsund: Was die Demonstranten wirklich wollen

Edwin Palzer trägt auf einer Corona-Demo in Stralsund einen Karton. Darauf steht seine Forderung: Rückkehr zur Normalität“.

Der Protest gegen die Corona-Maßnahmen in Stralsund ist ziemlich bunt. Das zeigten die Demos am Pfingstwochenende – auch wenn die Teilnehmerzahlen rückläufig sind. Während am Sonntag auf dem Alten Markt insgesamt noch rund 50 Demonstranten zusammen kamen, so hatte der „stationäre Montagsspaziergang“ nur noch rund 25 Teilnehmer.

Beide Demos verliefen laut Polizei friedlich – was in der Vergangenheit landesweit nicht immer der Fall war. Auch bei einer Montagsdemo in Stralsund hatte die Polizei wegen Missachtung der Auflagen hart durchgreifen müssen und insgesamt 17 Anzeigen verteilt. Die Forderung: „Sofortige Abschaffung der Pandemieregeln“: Diese Situation soll sich nicht wiederholen. Dafür will die Volksinitiative „Sofort zurück zur Demokratie“ sorgen.

Die Demonstranten um den Initiator Ulrich Langer melden seit Wochen den bunten Protest am Sonntag an – und haben nun auch die „Montagsspaziergänge“ übernommen. Am Sonntag sammelten sich die Corona-Gegner auf dem Alten Markt gegen 14 Uhr um den bekannten Musiker Thomas Putensen. Er machte mit Lied-Adaptionen wie „Und der Drosten, der hat Zähne“ Stimmung, bevor Langer das Wort ergriff.

„Wir sind keine Spinner, sondern Ärzte, Ingenieure und Unternehmer. Ganz normale Bürger“, sagt er. „Langsam nimmt man unsere Forderungen zur Abschaffung der Pandemieregelungen ernst.“ Mit diesen hätte die Regierung aus Sicht der Initiative die Demokratie in Deutschland ausgehebelt – kein haltbarer Zustand für die Corona-Gegner. Sie sehen sich als eine außerparlamentarische Opposition und versuchen sich in Vorpommern mit friedlichem Protest Gehör zu verschaffen.

Am Sonnabend in Greifswald – dort meldete die 55-jährige Barbara Baumann aus Neuenkirchen die Demos zuletzt an – am Sonntag und am Montag in Stralsund. Dort mit teils mit Klaviermusik, Gesang – und ganz vielen Diskussionsbeiträgen. Denn die Initiative fordert „offene Diskussionen über das Coronavirus“ – und dafür ist ein offenes Mikrofon offenbar auch am besten geeignet.

Dass dabei auch eigenwillige bis krude Stimmen zu Wort kommen können, ist systemisch bedingt – und auch gewollt. „Die Coronalüge“: Was auf den Plakaten der Demonstranten steht: Doch nicht jeder braucht ein Mikro für eine Meinung. Einige tragen Plakate. Eine Frau hält „Die Coronalüge! Zurück zu den Grundrechten! Kein Impfzwang! Kein Maulkorb mehr!“ hoch. Auf einem weiteren Plakat steht: „Ich fordere Grundrechte zurück“ und „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Edwin Palzer aus Samtens von der Insel Rügen fordert auf einem Karton die Rückkehr zur Normalität. „Damit meine ich nicht die neue Normalität“, sagt er. Palzer möchte den Zustand vor dem Lockdown zurück. Er zählt zu den Protestlern der ersten Stunde, fordert Aufklärung und spricht über die Möglichkeit von organisiertem Austausch. In seinem Redebeitrag kritisiert er die Abwesenheit von Vorpommern-Rügen Landrat Stefan Kerth (SPD) scharf. Dieser hat einem Treffen mit der Volksinitiative zugesagt – aber eben nicht auf dem Stralsunder Marktplatz, sondern am 10. Juni im Landratsamt.

Urlauber werden in Stralsund beschallt und greifen selbst zum Mikro  : Mit den Reden wurden die Gäste der Cafés lautstark beschallt. Dadurch ergriffen teils auch Urlauber das Wort. Wie am Pfingstsonntag ein junger Mann aus Berlin, der sich als Arzt zu erkennen gab – und aus seiner Klinik berichtete. „Bei uns hatten wir acht Corona-Patienten“, sagte er. „Sie waren zwischen 20 und 45 Jahre alt, keiner ist gestorben. Aber sie alle hatten eine panische Angst vor dem Coronavirus“, sagte er und weiter: „Auf mich wirkte es mehr wie eine Grippe. Das ist meine Meinung“.

Beifall von Mitdemonstranten, Pfui-Rufe von Passanten.  Auch in anderen Redebeiträgen wurde der umstrittene Vergleich der Krankheiten Corona/Grippe bemüht. Die Volksinitiative drängt dabei auf einen offenen Diskurs. Dazu gehöre laut Demo-Leiter Langer in einer Demokratie eben auch, dass man Meinungen von anderen Experten – wie zum Beispiel Prof. Dr. Klaus Püschel, Dr. Wolfgang Wodarg oder dem Virologen Prof. Alexander Kekulé – anhört und aushält. Lungenarzt Wodarg wetterte schon am Anfang des Lockdowns gegen den Umgang mit Sars-CoV-2.

In einem Faktencheck des Spiegels wird er unter anderem für die Verbreitung von gefährlichen Falschinformationen kritisiert. Der Hallenser Virologe Kekulé hatte sich jüngst mit Deutschlands Top-Virologen Christian Drosten angelegt. Im Fokus stand dabei eine Drosten-Studie, aus der hervor ging, dass durch das Coronavirus infizierte Kinder wahrscheinlich genauso ansteckend sind wie Erwachsene. Kekulé stellt dies infrage. Volksinitiative organisiert Protest über neue Website: „Wir sind keine Virologen“, sagt Langer. „Wir wollen aber, dass offen debattiert wird.

So wie es in Schweden seit Anfang der Krise gemacht wird. Die Politik darf nicht nur Drosten und Wieler anhören.“ Neben der Kritik an Drosten wird der Mundschutz zum Hassobjekt erklärt. Weiterhin sprechen die Redner reale Ängste an – wie die wirtschaftlichen Folgen des anhaltenden Lockdowns. „Es ist schön, liebe Urlauber, sie wieder in Stralsund zu haben“, spricht ein Redner die Café-Gäste an. „Sie dürfen wieder kommen. Aber wann darf mein Sohn wieder normal in die Schule gehen?“, hinterfragt er.

Die Volksinitiative bemüht sich um Transparenz. Die meisten Positionierungen können daher auch auf einer neuen Website nachgelesen werden, die am Pfingstwochenende freigeschaltet wurde. Dort stehen Forderungen wie „Schluss mit der unsinnigen Mundschutzpflicht“ oder auf „selbstbestimmtes Leben für Risikogruppen“ und einen „Untersuchungsausschuss zur Corona Task Force“. Auch wird „eine unabhängige und freie Presse“ gefordert.

Stralsunder organisieren Protest in Greifswald und Rostock: Über die Website wird das Einsammeln von 15 000 Unterschriften vorangetrieben, damit sich die Landespolitik mit den Forderungen auseinandersetzen muss. Auch der Protest wird darüber organisiert – und dies zunehmend landesweit. Denn einer der nächsten Demo-Termine ist in Rostock. Auch dort war jüngst der Corona-Protest eskaliert – und die Polizei griff ein. Die Stralsunder drängen jedoch auf einen friedlichen Weg – weshalb sie jetzt auch die „Montagsspaziergänge“ übernommen haben.

„Wir wollen nicht, dass Pegida den Protest vereinnahmt“, sagt Ulrich Langer. „Dagegen haben wir uns klar abgegrenzt.“ Auf dem Alten Markt ist dies am Montag auch zu sehen. Der Bereich der Volksinitiative ist klar abgesperrt. Mittendrin steht der Rüganer Edwin Palzer, der als Leiter seine erste Demo organisiert. In seinem Bereich stehen rund 20 weitere Personen, teils mit Plakaten – und tauschen sich aus. Auf den angemeldeten Spaziergang durch die Innenstadt verzichtet er. Denn am Rand des Flatterbandes lauerte bereits eine weitere Gruppe. „Dabei handelt es sich um Patrioten“, schätzt die CDU-Landtagsabgeordnete Ann Christin von Allwörden ein, die sich selbst ein Bild von der Lage machte.

„Von diesen will sich das eher bürgerliche Klientel abgrenzen. Vor zwei Wochen waren die Lager nicht getrennt und der Spaziergang wurde schwierig.“ Daher sei das große Polizei-Aufgebot mit Unterstützungskräften aus Rostock gut gewesen. „Die Proteste gehören zu einer Demokratie dazu“, sagt sie. „Mich irritiert nur, dass in Stralsund die Proteste dann anfingen, als die schon Lockerungen da waren“, so von Allwörden.

Quelle: Ostseezeitung vom 02.06.2020 


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