Schon wieder Todesschüsse in Dallas: Stehen die USA vor einem Bürgerkrieg?

08.07.2016
Peter Orzechowski

Polizisten in den USA erschießen immer wieder Schwarze. Jetzt sind fünf Polizeibeamte zum ersten Mal selbst in einer gezielten Aktion hingerichtet worden. In der Stadt des Attentats, im texanischen Dallas, herrscht der Ausnahmezustand. Steht Amerika ein heißer Sommer bevor – oder gar, wie manche Kommentatoren befürchten, ein Bürgerkrieg?


Bedeutende Umbrüche in der US-amerikanischen Geschichte werden seltsamerweise häufig an einem symbolträchtigen Datum oder einem Ort eingeleitet, der im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner eingebrannt ist: Am 11.09.1991 hielt der 41. Präsident der USA, George Herbert Walker Bush, seine berühmte Rede vor beiden Kongressen, in der er eine Neue Weltordnung forderte. Zehn Jahre später – inzwischen war sein Sohn George W. Herrscher im Weißen Haus – explodierten die Zwillingstürme in New York und der Weltkrieg gegen den Terror begann.

Dallas, Texas, ist jedem in Erinnerung als der Ort, an dem am 22. November 1963 der 35. Präsident, John Fitzgerald Kennedy, erschossen wurde. Danach übernahm der militärisch-industrielle Komplex und die mit ihm verbündeten Banken und Großunternehmen die Macht im Staat. Gestern sind in eben diesem Dallas fünf Polizisten erschossen worden. Ist das das Fanal zu einem Bürgerkrieg?



Kurz die Fakten: In der texanischen Millionenstadt sind gestern während eines Protestmarsches gegen Polizeigewalt fünf Beamte erschossen worden. Insgesamt seien elf Polizisten beschossen worden, sagte Polizeichef David Brown. »Die Täter haben von erhöhten Positionen aus geschossen. Allem Anschein nach wollten sie so viele Polizeibeamte wie möglich töten oder verletzen«, wird Brown von CNN zitiert. Es sei eine geplante und koordinierte Aktion gewesen. Die Schützen hatten vorläufigen Erkenntnissen zufolge aus Scharfschützengewehren geschossen.

Einer der mutmaßlichen Täter verschanzte sich in einem Parkhaus in der Innenstadt und lieferte sich auch in der Nacht immer wieder Schusswechsel mit der Polizei. Nach einem Bericht des Senders CBS tötete er sich schließlich selbst. Drei weitere Personen wurden festgenommen. Die Luftfahrtbehörde FAA sperrte den Flugraum über der Innenstadt von Dallas.

Die Sorge vor einer weiteren Eskalation ist groß: Ein Verdächtiger habe angegeben, in der Stadt mehrere Bomben gelegt zu haben, erklärte Polizeichef David Brown in der Nacht zum Freitag. Die Polizei forderte die Bürger auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden, der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen, berichtete die Dallas Morning News.

Die friedliche Demonstration zuvor hatte sich gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gerichtet. Auslöser waren zwei erschossene Afroamerikaner innerhalb von zwei Tagen.

In Falcon Heights, Minnesota, starb der 32-jährige Philando Castile im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten in Baton Rouge, Louisiana, zwei Polizisten den 37-jährigen Alton Sterling auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Schon seit Monaten häufen sich die Todesschüsse von Polizisten gegen Schwarze. Immer wieder hat es Demonstrationen dagegen gegeben. Aber niemand scheint die Polizeigewalt stoppen zu wollen. Unabhängige Webseiten vermuten, dass mit diesen Tötungen die Unruhe im Land angeheizt werden soll.

Gleichzeitig berichten amerikanische Internetdienste von Vorratslagern, die die Regierung überall in den USA einrichten soll. Vor zwei Wochen wurde gemeldet, es sei eine große Anzahl neuer gepanzerter UN-Fahrzeuge bei ihrer Fahrt durch die USA beobachtet worden. Bereitet sich Amerika auf einen Bürgerkrieg vor?

Natürlich gibt es dazu nirgends zuverlässige Quellen. Die US-Mainstream-Medien, die in der Hand weniger Konzerne sind, beschäftigen sich nicht mit derlei »Verschwörungstheorien«. Und die Regierung gibt ihr übliches Nebelkerzen-Mantra: Diese Tode seien ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss, sagte Präsident Barack Obama.

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»Wir erleben so etwas viel zu oft«, sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum NATO-Gipfel eintraf. Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.

Aber vielleicht gibt uns ja die eingangs beschriebene, häufig in der amerikanischen Geschichte eintretende Symbolik einen Hinweis: Am 8. Juli 1776 wurde zum ersten Mal öffentlich die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verlesen.



Das war in Philadelphia, Pennsylvania. Und danach ertönte zum ersten Mal die Liberty Bell – die Glocke der Freiheit.

Quelle: Kopp-online vom 08.07.2016


vekoop

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