Nach Havarie im Keller: Lebensgefahr in der Dresdner Polizeizentrale

Der Schaden nach der Havarie am Wochenende ist „enorm“, sagt ein Polizeisprecher. Was alles kaputt ist und wie es nun weitergeht.

Von Christoph Springer
Katastrophe im Keller: Hier ist unter dem Fußboden ein Rohr mit heißem Wasser geplatzt. Dann ist heißer Dampf ausgetreten.
Katastrophe im Keller: Hier ist unter dem Fußboden ein Rohr mit heißem Wasser geplatzt. Dann ist heißer Dampf ausgetreten.© René Meinig

Dresden. Die Hitze muss lebensgefährlich gewesen sein, der Schaden ist es auch. Den Kellerboden hat der Dampf mehr als eine Handbreit nach oben gedrückt, darunter befindet sich jetzt ein neuer Hohlraum. Deckenverkleidungen sind aufgequollen, Lampen drohten abzustürzen. Sie mussten demontiert werden, das Treppenhaus mit dem Zugang zu den Haftzellen der Dresdner Polizei in der „Schießgasse“ hat jetzt kein Licht mehr.

Der heiße Dampf zog nach oben, beschädigte Decken und Wände.
Der heiße Dampf zog nach oben, beschädigte Decken und Wände.© René Meinig

Ganze Gebäudeteile sind gesperrt

Noch immer können dort Putz und Verkleidungsteile herunterfallen, der Zugang ist gesperrt. Glas ist gesprungen, eine dicke Scheibe in einem der oberen Stockwerke des Treppenhauses kaputt. Schlimmer noch: Etwa die Hälfte des Kellertrakts mit den Garderoben und Duschen für die Einsatzbeamten kann nicht genutzt werden. Sie müssen sich die restlichen Duschen mit ihren Kollegen teilen, ein Besprechungsraum in der Etage darüber ist zur Umkleide geworden.

Und die Tiefgarage der Polizei kann nicht mehr genutzt werden. Alle Autos stehen jetzt im Hof der Polizeidirektion und auf dem Parkplatz an der Schießgasse. Dort gibt es inzwischen auch einen Toilettencontainer für die Beamten und Zivilmitarbeiter der Polizeidirektion (PD), ein Duschcontainer soll noch dazukommen.

Ein Besprechungsraum dient als provisorische Umkleide.
Ein Besprechungsraum dient als provisorische Umkleide.© René Meinig

Seit am Sonntag eine Leitung mit heißem Wasser im Keller der PD, direkt unter dem Revier Mitte, geplatzt ist, müssen Provisorien helfen. Die Küche kann nicht mehr arbeiten, gegessen wird jetzt außerhalb – da, wo es gerade etwas gibt. An Imbissständen im Zentrum zum Beispiel, von zu Hause mitgebrachtes Essen kommt wieder mehr in Mode.

Doch das eigentliche Problem sind Großeinsätze wie der am Dienstag, wenn Dynamo Dresden und Karlsruhe im Stadion an der Lennéstraße aufeinandertreffen. Dann brauchen hunderte Beamte Verpflegungspakete. Normalerweise kommen die aus der Küche in der Schießgasse. Dieses Mal müssen Firmen gefunden werden, die die Esstüten liefern können.

Durch diese Tür ging es zu Umkleiden. Diesen Weg sind regelmäßig Beamte gegangen - nur gerade nicht in dem Moment, in dem der heiße Dampf aus dem Boden schoss.
Durch diese Tür ging es zu Umkleiden. Diesen Weg sind regelmäßig Beamte gegangen – nur gerade nicht in dem Moment, in dem der heiße Dampf aus dem Boden schoss.© René Meinig

Voll einsatzfähig trotz Problemen

„Die Dresdner können erwarten, dass wir weiterarbeiten“, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Trotz der schwierigen Bedingungen sei die Polizei voll einsatzfähig. Das ist ihm wichtig. Doch die besonderen Umstände fordern die Beamten. Der Parkplatz an der Schießgasse wird nun für längere Zeit belegt sein. Wann er wieder von anderen Autofahrern genutzt werden kann, ist unklar.

Im PD-Keller wird bereits gearbeitet, doch wann der wieder frei ist, kann auch noch niemand sagen. Der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), zuständig für die Gebäude des Freistaats, geht derzeit von einem „höheren sechsstelligen Betrag“ für die Reparaturarbeiten aus.

Zerstörte und durchnässte Fußböden wurden bei einer Schadensaufnahme registriert, berichtet SIB-Mitarbeiter Tobias Lorenz. Wände und Decken hat der heiße Dampf in Mitleidenschaft gezogen, auch solche aus Sandstein sind nass. Mehrere Scheiben sind kaputt, Türen auch. In der Tiefgarage haben Dampf oder heißes Wasser den Asphalt in Mitleidenschaft gezogen.

Polizeisprecher Marko Laske berichtet: Ein Teil des Hofs ist gesperrt, Glasscheiben am Treppenhaus sind gesprungen, Teile könnten abstürzen.
Polizeisprecher Marko Laske berichtet: Ein Teil des Hofs ist gesperrt, Glasscheiben am Treppenhaus sind gesprungen, Teile könnten abstürzen.© René Meinig

Haftzellen können nicht genutzt werden

Und noch ein gravierendes Problem für die Arbeit der Polizei: Die Haftzellen sind gesperrt. Schäden auf dem Weg dorthin sind der Grund, dazu die eingeschränkte Wasserversorgung. 23 Zellen für Einzelpersonen und drei sogenannte Sammelzellen für bis zu vier Personen hat die Polizei in der Schießgasse. Sie befinden sich im Inneren der PD in einem Neubau. Gebraucht werden die Haftzellen zum Beispiel, wenn nach Auseinandersetzungen Personen festgenommen werden. Möglich ist das am Rand von Fußballspielen.

Zwar gibt es noch ein paar leere Polizei-Haftzellen in Dresden, zum Beispiel im ehemaligen Pieschener Revier an der Osterbergstraße. Aber die reichen vielleicht nicht und notfalls müssen die Dresdner Beamten Festgenommene jetzt nach Pirna fahren, um sie dort vorübergehend hinter Gitter zu bringen.

Wochen oder Monate mit Provisorien

Immerhin: Die PD-Verwaltung macht Druck. Inzwischen ersetzt ein Bypass die kaputte Wasserleitung. In Teilen der PD gibt es also wieder Wasser, doch eben noch lange nicht in allen. „Kaffeetrinken ist das kleinste Problem, die Schäden sind enorm“, sagt Laske und bestätigt auf Nachfrage: Ja, Kaffeewasser gibt es.

Doch das sei keine entscheidende Fragen angesichts der fehlenden Duschen, nicht nutzbarer Umkleiden, angesichts der Schäden in der Tiefgarage, in den Treppenhäusern und an den Gebäudedecken. Dort, wo sich die Beamten jetzt noch duschen und umziehen oder auf die Toilette gehen können, steigt der Reinigungsaufwand – und auch dafür ist Wasser nötig.

Niemand wagt derzeit eine Prognose zur Dauer der Reparaturarbeiten. Unklar ist auch noch, warum die Leitung im PD-Keller geplatzt ist. „Die genaue Höhe des Sachschadens sowie der zeitliche Aufwand lassen sich erst beziffern, wenn das Sanierungskonzept erarbeitet ist“, sagt Tobias Lorenz. Das heißt: Die Beamten und Zivilmitarbeiter müssen Wochen, vielleicht sogar mehrere Monate lang mit Provisorien klarkommen.

Quelle: Sächsische Zeitung vom 20.05.2022

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