200.000 Menschen sind noch auf der Balkanroute unterwegs

Tausende Flüchtlinge auf dem Weg von Ungarn über Österreich nach Deutschland. Bild: Youtube
Tausende Flüchtlinge auf dem Weg von Ungarn über Österreich nach Deutschland. Bild: Youtube

Hunderttausende Menschen, Flüchtlinge und Zuwanderer, haben ihr Ziel schon erreicht, weitere Hunderttausende befinden sich noch auf dem Weg nach Deutschland oder Schweden. Vor allem auf der Balkanroute. Auch nachdem Ungarn die Grenze dicht machte, ebbt der Menschenstrom noch lange nicht ab. Es gibt alternative Routen.

Von Marco Maier

An den Grenzkontrollen, die Deutschland, Österreich und Ungarn wieder einführten, werden die Menschen wohl kaum scheitern. Denn diese dienen nicht wirklich dazu, den gewaltigen Menschenstrom aufzuhalten, sondern viel mehr ihn ein wenig zu lenken und – zumindest im Falle Österreichs – humanitäre Aufgaben zu erledigen.

Als sich die Meldung verbreitete, dass Ungarn die Einwanderungsgesetze verschärfen und die Grenze zu Serbien schließen wird, setzte sich ein noch größerer Tross von Serbien aus in Bewegung, um sich später nicht nach einer Alternativroute umsehen zu müssen. Seit heute Nachmittag sind die Grenzübergänge zwischen Serbien und Ungarn nun dicht, so dass die Menschen nun wohl über Kroatien und Slowenien weiterreisen werden.

Offiziellen Schätzungen zufolge sollen sich derzeit rund 200.000 Personen auf der Balkanroute befinden, die sich von Griechenland über Mazedonen, Serbien und Ungarn bis nach Österreich erstreckt. Der „Nachschub“ wird wohl erst in den Wintermonaten abebben, wenn die Reise zunehmend zu einem tödlichen Unterfangen werden kann.

Doch die Verlockungen des reichen Nordens werden auch dann noch Menschen anlocken, die ihr Glück selbst bei widrigsten Verhältnissen testen werden. Selbst der „Deutschlandfunk“ berichtet davon, dass es sich bei den in den Medien stets als „Flüchtlinge“ titulierten Menschen eben nicht nur um Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten handelt:

„Ganz, ganz ehrlich – also ich glaube, meine persönliche Einschätzung, weil seit der Krise wie gesagt bin ich hier, tagtäglich: Minimum ein Viertel dieser Leute, denen ich begegnet bin, sind keine Flüchtlinge. Ich habe Leute aus Marokko, ich habe Leute aus Algerien getroffen, weil ich kann das entdecken, ich spreche deren Dialekt auch, und wenn sie zu mir kommen, dann kann ich das vom Akzent sofort erkennen. Gestern zum Beispiel sind zwei Ägypter zu mir gekommen. Dann hab‘ ich denen gesagt: Ihr seid aber keine Syrer, was macht ihr da? – Ja, es ist jetzt oder nie, nach Europa gratis zu kommen. Es ist jetzt oder nie.“

Er will nicht missverstanden werden, betont Merouane Missaoua, er bewundere die Hilfsbereitschaft der Deutschen. Aber der Realität ins Auge blicken muss man auch, sagt er:

„Es ist nett von Deutschland, es ist nett von der Bundeskanzlerin, Frau Merkel, es ist nett, dass sie die Arme so aufgemacht hat, das ist menschlich. Aber das sollte nicht so bleiben in den nächsten Tagen, weil ich befürchte, dass die Leute alle ein Handy haben. Ich brauche nur mein Handy herauszunehmen, die Familie anrufen – es ist nett da, wir wurden so nett empfangen von den Leuten da und es geht uns gut, schaut, dass ihr nach Deutschland kommt.“

Umso unwahrscheinlicher ist es, dass es wirklich zu einem Ende des Menschenstroms kommt, der sich von Griechenland aus über den ganzen Balkan nach Deutschland schlängelt. Neben den wirklichen Flüchtlingen, die auch wirklich asylwürdig sind, kommen eben auch immer mehr Menschen die die Gunst der Stunde erkannt haben. Aber gut, ein Land wie die Bundesrepublik, welches angesichts der Not vieler Menschen die Grenzen geöffnet hat und die wirklichen Flüchtlinge willkommen heißen will, zieht damit auch unzählige Menschen an, die vor allem auf die international vergleichsweise hoch dotierten Sozialleistungen hoffen. Das muss uns allen auch bewusst sein.

Quelle: contramagazin vom 14.09.2015

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