Mächtig daneben: USA versetzen versehentlich Schlag gegen Öl-Dollar


Weinmühle

Eine Ölplattform in Golf von Mexiko (Archivbild)

© REUTERS / Chris Bond/ Handout

Der größte Unterschied der aktuellen internationalen Situation zu der von vor etwa zehn oder 15 Jahren besteht darin, dass sich die #EU intensiv darum bemüht, den Forderungen Washingtons nicht nachzukommen.

Früher hatten seine nächsten Verbündeten ihm immer zugestimmt – diesmal ist es aber anders: Die Europäer  suchen nach Möglichkeiten, ihre schwachen Stellen zu stärken, um die Willkür von US-Beamten nicht dulden zu müssen. So scheint die endgültige Verwandlung des US-amerikanischen Finanzsystems in eine geopolitische Waffe zur Eindämmung der Opponenten Washingtons nur auf den ersten Blick eine gute Idee zu sein.

Denn die ständigen Drohungen der Amerikaner, diese oder jene Länder zu „bestrafen“ und irgendwann auch „vom #Dollar-System abzuschalten“, wären für europäische Unternehmen, die Geschäfte mit dem #Iran haben, nur dann sinnvoll, wenn es für die US-Währung keine Alternativen geben würde. In den frühen 2000er-Jahren gab es in diesem Bereich tatsächlich keine Wahl, aber jetzt führt das Vorgehen der Vereinigten Staaten dazu, dass europäische Politiker (von ihren Kollegen aus China ganz zu schweigen) damit beginnen, das Thema „Befreiung des Welthandels vom Dollar“ voranzubringen. Das erste Opfer dieses Prozesses könnte das „Öl-Dollar-System“ werden – und dann könnte der Status des Dollars als wichtigste internationale Währung ins Schwanken geraten.

Die Verhängung von neuen Sanktionen gegen den Iran hat einen auffallenden Nebeneffekt, der von russischen Massenmedien so gut wie übersehen wurde. Der Umfang des Ölhandels an der Shanghaier Börse ist drastisch gewachsen und entspricht aktuell etwa zwölf Prozent des globalen Ölverbrauchs, wie die Nachrichtenagentur Reuters verwundert berichtete, die den Ölhandelszuwachs ausgerechnet auf die jüngsten Handlungen der Amerikaner zurückführte. Das ist wichtig, weil an der Shanghaier Börse mit #Öl für #Yuan – und nicht für Dollar – gehandelt wird. Damit sind die Geschäfte dort intransparent für die US-Finanzbehörden. Und dadurch bekommen chinesische Verbraucher (und nicht nur sie) die Möglichkeit, Shanghai als eine Art „schwarze Kiste“ zu nutzen, aus der man iranisches Öl „herausziehen“ könne, ohne Angst vor US-Sanktionen haben zu müssen.

 


Vorerst greifen auf dieses Mittel vor allem chinesische Käufer zurück, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Europäer ihrem Beispiel folgen. Dabei könnten die chinesischen Behörden diesen Prozess sogar beschleunigen, wenn sie die Spezifikation des Yuan-Öl-Futures korrigieren (bzw. vervollkommnen), so dass dies der Zusammensetzung des iranischen Öls entspricht. Kennzeichnend ist, dass es für die #USA im vorigen Jahr noch viel leichter gewesen wäre, den iranischen Öl-Handel zu unterdrücken, denn damals hatte es noch keine alternativen Finanzmarktplätze gegeben, wo man die Sanktionen umgehen könnte.

Quelle: Sputnik vom 16.05.2018


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