Hilft der Teufelsaustreiber gegen die »Lügenpresse«?



14.12.2015
Markus Gärtner

In Polen endete vor wenigen Tagen ein Protestmarsch gegen die »Lügen der Medien« mit einer Teufelsaustreibung. Das berichtet der Stern. Demnach hat ein Priester vor dem Verlagshaus der Zeitung Gazeta Wyborcza mit einem Exorzismusgebet versucht, der Manipulation öffentlicher Meinung entgegenzuwirken. Das ist eine drastische Szene, wenn man sie sich ausmalt. Aber es geht auch um einen schlimmen Missstand.




Die Leitmedien schreiben wie nie zuvor an ihrem Publikum vorbei. Sie versuchen, die Leser und Zuschauer zu erziehen. Dabei wenden sie von unterschlagenen Informationen bis hin zur skrupellosen Verengung des Meinungskorridors so ziemlich jeden manipulativen Kniff an. Das sagen nicht Verschwörungstheoretiker, sondern die Leitmedien selbst. Das zeigt eine wachsende Zahl medialer Beichten.Meist sind solche Eingeständnisse nicht gerade umfassend und auch in sich verlogen, wie die des ehemaligen ZDF-»Aspekte«-Chefs Wolfgang Herles. Herles gestand Ende November zwar ein:

 

»Der Konformismus der Medien reicht vom Spiegel bis zu Springer, von A wie ARD bis Z wie ZDF. Er folgt im Wesentlichen dem Konformismus der politischen Kräfte der Großen Koalition einschließlich der Grünen, Liberalen und der Linkspartei. Die wenigen Gegenmeinungen werden mit aller Schärfe als nicht diskursfähig zurück gewiesen.«

Doch schon im ersten Satz vergeigte Herles sein Geständnis, mit einem Einlass, der selbst wie eine Lüge klingt: »Die Medien lügen nicht, aber vereinfachen die Wirklichkeit bis zur Unkenntlichkeit.« – Wie bitte? »Vereinfachen?«

Wenn jemand die Wirklichkeit bis zur Unkenntlichkeit verbiegt, dann ist das eben nicht»vereinfacht«, es ist pure Manipulation, eine Vergewaltigung der Wahrhaftigkeit. Es ist der blanke Versuch, das Publikum hinters Licht zu führen.

Im Handelsblatt bezeichnete Wolfram Weimer die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sogar als demokratieschädlich:

»Eine Glaubwürdigkeitskrise erfasst die Medien – auch jenseits demagogischer Lügenpresse-Vorwürfe. Vor allem die Öffentlich-Rechtlichen waren 2015 so staatsnah wie nie. Doch das schadet der Demokratie.«

Weimer, ehemaliger Chefredakteur der Welt sowie von Cicero und Focus, wirft den deutschen Leitmedien vor, sich 2015 »geradezu lustvoll mit vermeintlich guten Sachen gemein gemacht« zu haben.



Von der Klimapolitik über die Euro-Rettung und die PEGIDA-Beschimpfungen bis hin zur Willkommenskultur für Migranten hätten die Medien sich »zu sehr damit befasst, der jeweils offiziellen Regierungspolitik nicht nur die Mikrofone zu halten, sondern die eigenen Verstärker voll aufzudrehen«. Das Resultat sei »eine autoritäre Form der politischen Korrektheit«.

Eine Breitseite bekam jüngst das ZDF von Michael Hanfeld bei der FAZ ab. »Kopflos in der Flüchtlingskrise« lautete die Schlagzeile, unter der dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorgeworfen wurde, »in der Flüchtlingskrise vor allem für Durchhalteparolen zuständig« zu sein.

Der Tagesspiegel sah sich vorige Woche bemüßigt, Experten aufzubieten, die Lügenpresse-Vorwürfe als etwas sehen, das »weit mehr« ist als »ein Propagandaschachzug von rechtsaußen«.Der Begriff, so gab das Blatt im Vorspann die Expertenmeinung des Soziologen Dieter Rucht wieder, »bilde eine gesellschaftliche Stimmung ab«.

»Die halbe Wahrheit zur Flüchtlingskrise ist zu wenig«, forderte schon im November die Welt. Dort hieß es im Vorspann: »Ist die Flüchtlingskrise auch eine Medienkrise? Die Berichte erscheinen vielen unglaubwürdig, weil grundlegende Vorbehalte gegen Merkels Grenzöffnung kaumvorkommen. Das kostet Glaubwürdigkeit.«

Die Schere zwischen den vorherrschenden Nachrichten und der subjektiv erfahrenen Wirklichkeit der Menschen, so die Tageszeitung, »muss alarmieren«.


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Auch zu diesem Punkt gibt es vielsagende mediale Beichten. Als die Huffington Post Anfang Dezember ankündigte, die Redaktion vorübergehend aufzulösen und für Nahaufnahmen durch das Land zu ziehen, um das Leben in Familien, bei Lehrern, Erziehern, Studenten und Arbeitslosen unter die Lupe zu nehmen, da wurde die Fragestellung für die geplanten Reportagen so formuliert:  »Wie verändert sich das Leben derer, über die wir sonst nicht sprechen?«

Ganz platt wurde hier eingeräumt, dass weite Teile der Wirklichkeit des Publikums ansonsten schlicht nicht erfasst werden.


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Kein Wunder, dass die medienkritische Propagandaschau nach den jüngsten Übergriffen des türkischen Präsidenten Erdoğan auf kritische Journalisten Folgendes schrieb: »Erdoğan schaut neidisch nach Deutschland – so eine servile Lügenpresse hätte er auch gerne.«

Nachfolgend ein Abschnitt aus meinem neuen Buch Lügenpresse, der aus dem Kapitel »Die vielen Gesichter der Lügenpresse« stammt. Der Abschnitt heißt

Einäugige Hofschranzen

In ungezählten Blogs, Kommentar-Foren und Plattformen sozialer Medien wird tausendfach beklagt, wie manipulativ, mit Lügen behaftet und mit Auslassungen durchsät der Kriegstreiber Putin dargestellt und die westliche Politik als Friedensmission verklärt wird. Selbst in der FAZ wurde im April 2014 in einem Kommentar über »Deutsche Medien in der Krim-Krise« deutlich »eine Kluftzwischen Journalisten und Lesern« diagnostiziert.

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Auch die frühere Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz stellte ihren ehemaligen Kollegen im Mainstream ein miserables Zeugnis für die »selektive Wahrnehmung«des Ukraine-Konflikts aus: »Nur noch das, was man wahrnehmen möchte, was den eigenen Vorstellungen entspricht, findet den Weg ins Bewusstsein, alles andere wird ausgeblendet«, wurde sie im Tagesspiegel zitiert. Das Blatt diskreditierte die frühere Korrespondentin gleich in der Schlagzeile als »Russlandversteherin«. Was die erfahrene Korrespondentin und Russland-Kennerin damit meinte, führte Anfang Dezember 2014 Claus Kleber im Heute-Journal in einem Interview mit Bundeskanzlerin Angela Merkel vor.

Schon die Eingangsfrage entlarvte suggestiven Journalismus der übelsten Sorte, der in einer Analyse des Interviews in der Propagandaschau als »eine Steilvorlage an Propaganda und Desinformation« entlarvt wurde. Klebers erste Frage an Merkel lautete so: »Beginnen wir mit der Außenpolitik. Treibt Sie die Sorge um, dass Russlands, dass Putins Hunger nach Territorium vielleicht noch nicht gestillt sein könnte mit der Krim, und wie wollen Sie sich dagegen einstellen?« Was hier über den Sender ging, war nichts anderes als eine plumpe Behauptung, die als Frage getarnt und in anbiedernder Weise serviert wurde – als Steilvorlage eben. Kleber lag, wie die Propagandaschau richtig feststellte, mit dieser Aufführung voll auf NATOLinie und entpuppte sich als »rotzfreche« und servile »Hofschranze«.Die Fragen, die in diesem denkwürdigen Interview folgten, waren auch nicht besser. Sie führten in der genannten Analyse zu der bitteren – aber wahren – Schlussfolgerung, »dass niemand die deutschen Bürger zwingen kann, solch einen gefährlichen Müll auch noch zu bezahlen«.

»Warum sich Journalisten und Leser immer schlechter verstehen«, ist eine Frage, die auch die Huffington Post umtreibt, obwohl sich das einst angenehm freche, provokante und vom Mainstream abgehobene Blatt immer mehr in das mediale Einheitsbrei-Universum einfügt. Mit Blick auf die Berichterstattung zur Ukraine musste die HuffPost im Mai 2014 zugeben: »Es ist wahr, dass der deutsche Journalismus ein Kommunikationsproblem hat.« Der Autor des Berichts bezog sich auf jene aufsehenerregende Ausgabe der Sendung Die Anstalt, in der ein ganzes Spinnennetz von Beziehungen und Mitgliedschaften zwischen deutschen Alpha-Journalisten und amerikafreundlichen Organisationen aufgezeigt und beschrieben wurde. Was die Satiriker Max Uthoff und Claus von Wagner in der Satiresendung von sich gegeben hätten, so das aus den USA stammende Magazin, habe in vielen Punkten ins Schwarze getroffen: »So ist die Verbindung zwischen Journalisten und oft elitären Thinktanks  in der Tat ein Problem. Warum die Chefs der Auslandsressorts von Süddeutscher Zeitung und FAZ gleichzeitig im Beirat der staatlichen Bundesakademie für Sicherheitspolitik sitzen dürfen, lässt sich nur schwer erklären.« So wie die HuffPost dachten und denken Millionen in Deutschland.

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Mit einer sehr wichtigen, weil gefährlich manipulativen Facette des Ukraine-Konflikts beschäftigte sich am 30. März 2015 auf den Nachdenkseiten der Journalist und Medienkritiker Eckart Spoo im Gespräch mit Jens Wernicke. Es ging um das Spannungsfeld zwischen Propaganda und Aufklärung, in dem sich Journalisten bei heiklen und brisanten Themen ständig bewegen. Spoo fragte sich, warum unsere Alpha-Journalisten gerne schreiben, dass Obama »warnt«, Putin aber »droht«, wenn die beiden Präsidenten etwas von sich geben und das Gleiche sagen. Spoo bezeifelte, dass Journalisten im Blätterwald überhaupt die Freiheit haben, eine andere als diese Wortwahl zu treffen: »In den großen deutschen Medienkonzernen wissen die zuständigen Redakteure, wer als gut und wer als böse zu gelten hat. Der Gute stellt fest oder erklärt, der Böse behauptet, und wer droht und behauptet, beweist damit, dass er der Böse ist.« Im Klartext: Die Mainstream-Medien haben in ihrer Berichterstattung klar Stellung bezogen und verbreiten ihre Weltsicht, anstatt objektiv zu berichten.

Kopp Verlag


Quelle: Kopp-online vom 14.12.2015

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