Die Redaktion der ARD-Talksendung „#Hart aber Fair“ sieht sich wegen ihres aktuellen Sendungsthemas und der Art ihrer Ankündigung unter Druck.
Zuschauer und Nutzer der Internetauftritte von „Hart aber fair“ kritisieren, dass es in der Sendung zum wiederholten Mal um #Flüchtlinge und #Kriminalität gehen solle und nicht etwa um Rassismus oder die jüngste Relativierung der Nazi-Zeit durch AfD-Chef #Gauland. „Warum das Thema Flüchtlinge jetzt?“, fragt die Redaktion auf Twitter und antwortet selbst, dass es zuvor im ARD-Programm eine „starke Dokumentation“ dazu gebe. Diese wolle man aufgreifen. Es handele sich um ein Thema, das viele umtreibe. Ab 20.15 läuft die Reportagereihe „Das Mädchen und der Flüchtling“, um 21 Uhr startet Hart aber fair“.
Die Redaktion betonte zudem, dass viele der als Alternative gemachten Themenvorschläge bereits in der Sendung behandelt worden wären wie „Bienensterben, Pflege, Armutslöhne, ungleiche Reichtumsverteilung, Plastik im Meer“. Mit ihren Antworten auf die Kritik sorgte die Redaktion schließlich für weiteren Unmut. Inzwischen teilte Moderator #Plasberg mit, man werde Gauland wegen seiner Äußerung nicht mehr als Gast in die Sendung einladen.
Die Kritik an der Themensetzung war unter anderem von Fernseh-Kollegen wie Jan #Böhmermann formuliert worden. Scharf äußerte sich auch der Vorsitzende des Zentralrats der #Muslime, #Mazyek. Immer nur das eine Thema und stets in Form des Sündenbock-Diskurses, beklagte er – die gefühlte tausendste „Hart aber fair“-Sendung über Flüchtlinge und Islam. Mazyek fügte hinzu, die „#Lügenpresse“ #ARD gebe Populisten eine weitere Bühne und hinterher beklagten sich alle, wo die anderen wichtigen Themen geblieben seien.
Gleichsam scharf kritisiert wurde der Ankündigungstext für die Sendung. Es werde mit sprachlichen Mitteln und einigen als Fragen verkleideten Unterstellungen ein Framing betrieben, das die Köpfe der Zuschauer vergifte, schrieb der Autor des „Bildblog.de“, Lorenz Meyer, auf Facebook. Zum Beispiel verwies er auf die Formulierung: „Können solche Flüchtlinge überhaupt integriert werden?“ Das sei eine Frage wie aus dem Lehrbuch der schwarzen Dialektik.
Als die Redaktion, angesprochen auf dieses Framing, antwortete: „Framing? Als Journalisten können wir mit diesem Begriff wenig anfangen“, steigerte sich die Kritik noch weiter. Der Professor für Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, Lorenz Lorenz-Meyer führte bei Twitter dazu aus, diese Reaktion sei merkwürdig. Den Begriff Framing lernten Journalismus-Studenten an seinem Insitut bereits im ersten Semester.
Framing bezeichnet in der Soziologie und in der Kommunikationswissenschaft die Einbettung eines Themas durch Medienproduzent oder Medienkonsument in einen subjektiven Deutungsrahmen.
Quelle: Deutschlandfunk vom 04.06.2018