„Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie.“ Napoleon (angeblich)

Da gerade über dieses Zitat Napoleons hier in den Kommentaren gestritten und diskutiert wurde veröffentlichen wir nachfolgend einen Artikel des falschzitate.blogspot.com vom Dienstag, 2. Oktober 2018

Pseudo-Napoleon-Zitat.
 

Dieses weit verbreitete Zitat wird zwei Personen unterschoben: Napoleon und dem im 19. Jahrhundert einflußreichen  politischen Publizisten und katholischen Philosophen Joseph Görres, der einen fiktiven Text zu Napoleon verfasst hat. Weder in einer Schrift Napoleons, noch in dem Napoleon-Text von Görres konnte das Zitat – das schon viele gesucht haben – in diesem Wortlaut gefunden werden.

Das fragliche Zitat wird in diesem Wortlaut anscheinend seit 1958 Napoleon unterschoben und paraphrasiert Sätze eines fiktiven Napoleon-Textes aus dem Jahr 1814 von Joseph Görres, der später stolz war, dass auch Leute aus dem Umkreis Napoleons seinen agitatorischen Text, „Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba“, für echt hielten (Goerres, 1854, S. 379).

Der folgende Absatz spielt vielleicht auf Hyperions Brief „So kam ich unter die Deutschen“ von Friedrich Hölderlin an.

Joseph Görres: „Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba“, 1814

  • „Gegen Teutschland hab ich vor Allem zuerst den Blick gewendet. Ein Volk ohne Vaterland, eine Verfassung ohne Einheit, Fürsten ohne Charakter und Gesinnung, ein Adel ohne Stolz und Kraft, das Alles mußte leichte Beute mir versprechen. Seit Jahrhunderten nicht vertheidigt, und doch in Anspruch nicht genommen: voll Soldaten und ohne Heer, Unterthanen und kein Regiment, so lag es von alter Trägheit einzig nur gehalten. Zwiespalt durfte ich nicht stiften unter ihnen, denn die Einigkeit war aus ihrer Mitte längst gewichen. Nur meine Netze durft ich  stellen, und sie liefen mir wie scheues Wild von selbst hinein. Ihre Ehre hab ich ihnen weggenommen, und der meinen sind sie darauf treuherzig nachgelaufen. Untereinander haben sie sich erwürgt, und glaubten redlich ihre Pflicht zu thun. Leichtgläubiger ist kein Volk gewesen, und thöricht toller kein anderes auf Erden. Aberglauben haben sie mit mir getrieben, und als ich sie unter meinem Fuß zertrat, mit verhaßter Gutmüthigkeit mich als ihren Abgott noch verehrt. Als ich sie mit Peitschen schlug, und ihr Land zum Tummelplatz des ewigen Kriegs gemacht, haben ihre Dichter als den Friedensstifter mich besungen.“



„Die thörichte Mißgunst, womit sie sich untereinander angefeindet, hab ich zu meinem Gewinnste wohl gehegt; immer haben sie mehr Verbitterug gegeneinander als gegen den wahren Feind. Affen sind sie seit lange schon gewesen, und so haben sie auch meine Größe nachgeäfft.“

Joseph von Görres: Rheinischer Merkur, Nr. 54, 9. Mai 1814, (S. 1; 2) (Link), in: Gesammelte Schriften, Band 1, herausgegeben von Marie Görres, München: 1854, Abschnitt 17: „Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba“, S. 391f. (Link)

Diese Stellen aus der fiktiven Proklamation Napoleons von Joseph Görres, der in der Maske des deutschlandverachtenden Napoleon für den Kampf gegen Napoleon warb, wurde im 20. Jahrhundert mit folgenden Worten (später mit etlichen Varianten) paraphrasiert und seitdem oft Napoleon Bonaparte unterschoben:

  • „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche. Zwiespalt brauchte ich unter ihnen nie zu säen. Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten, ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden. Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie. Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wahren Feinde.“

Das angebliche Napoleon-Zitat ist also eine nicht sinnentstellende Zusammenfassung einiger Sätze aus dem Napoleon-Pamphlet von Joseph Görres: „Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba“, in dem Görres Napoleon abfällige Bemerkungen über Deutsche in den Mund legte.

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Quellen:
Google
Joseph von Görres: Rheinischer Merkur, Nr. 54, 9. Mai 1814, (S. 1; 2) (Link) (Link), in: Gesammelte Schriften, Band 1, herausgegeben von Marie Görres, München: 1854, Abschnitt 17: „Napoleons Proclamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba“, S. 391f. (Link)
Monika Fink-Lang: „Joseph Görres: Die Biografie“, Ferdinand Schöningh, Paderborn/ München/ Wien/ Zürich: 2013,  S. 153 (Link)
Nils Graefe: „Rundschlag – Die dummen Deutschen und Napoleon“ zvw.de,  27. August 2016 (Link)

Bespiele für falsche Zuschreibungen:
1958: „Der Quell.“ Zeitschrift für Geistesfreiheit, Band 10, Verlag Hohe Warte: 1958, S. 1054 books.google (muss noch auf Papier verifiziert werden.)
1976: Conrad Rooster: „Der Lügenkreis um die deutsche Kriegsschuld“, herausgegeben vom Bund für deutsche Wiedervereinigung,  Offenbach/ Berlin: 1976, S. 32 (Link) (Zuschreibung an Görres 1814, ohne Seitenangabe)
1977 (Link)  Deutschland in Geschichte und Gegenwart, Bände 25-28, S. 1
1987 (Link)

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Letzte Änderung 12/1 2018

Quelle: falschzitate.blogspot.com vom Dienstag, 2. Oktober 2018


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3 Kommentare zu „Keine Lüge kann grob genug ersonnen werden: Die Deutschen glauben sie.“ Napoleon (angeblich)

  1. ulrike sagt:

    Schon Napoleon hat die Gutgläubigkeit der Deutschen erkannt.

  2. Kleiner Grauer sagt:

    Es ist schon immer so; kein Politiker weiß mehr was Er gesagt hat, wenn seine Worte den Mund verlassen haben! Keiner hat die Absicht eine Mauer zu bauen. Ich sehe blühende Landschaften. Wir müssen uns überlegen wie wir aus einer illegalen Einwanderung eine legale machen. Multi Kulti ist gescheitert. Es wird keinen Vergemeinschaftung der Schulden geben.

  3. gerhard sagt:

    bei youwatch glesen:
    Bauern schuld an Corona? Künast geht unter die Verschwörungstheoretiker
    Echte Spinnereien zum Corona-Ursprung: Renate Künast
    Wörtlich erklärt sie, der „Grund für die Pandemie“ sei „die falsche Art und Weise, wie wir unsere Nahrungsmittel produzieren, Landwirtschaft betreiben und mit der Umwelt umgehen.“ Kurzum: Das Virus als gerechte Strafe für eine kollektiv lasterhafte Lebensweise. Kommt bekannt vor? Ist es auch – genauso verkaufen auch radikale US-Fernsehprediger und Evangelikale, aber auch orthodoxe Juden ihren Jüngern die Pandemie, als eine Art Gottesgericht für zu viele Sünden.

    Gehts noch? Natürlich glauben das alle Speichellecker im Reichstag.

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