Lateinamerika – Coronavirus: Neues Testverfahren aus Uruguay liefert schnelle Ergebnisse

Coronavirus: Neues Testverfahren aus Uruguay liefert schnelle Ergebnisse

Symbolbild: Ein Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts (RKI) arbeitet an Geräten zur Entnahme von Rachenabstrichen und Blutproben für Corona-Tests. (Kupferzell, 19. Mai 2020)

Uruguay entwickelt eine neue Testmethode für das SARS-COV-2-Virus. Das Ergebnis soll bereits nach 45 Minuten feststehen. Statt umständlicher Abstriche in der Rachenhöhle und in der Nase soll dafür eine einfache Speichelprobe ausreichend sein.

von Maria Müller

Das kleine südamerikanische Land Uruguay hat besonders in den letzten 15 Jahren die Wissenschaft gefördert. Gute Ergebnisse lohnen den Einsatz. Heute macht es mit einigen Forschungsarbeiten auf sich aufmerksam. So im Fall einer neuartigen Testmethode, um das Corona-Virus dingfest zu machen.

Paola Scavone, die Leiterin des Forscherteams der Abteilung für Mikrobiologie des  Instituts Clemente Estable, sagte: „Bei dem Test handelt es sich um eine recht einfache Methode, die ohne spezialisierte Labore und hochqualifizierte Experten auskommt.“

Entwicklung eines COVID-Speicheltests

Scavone leitet die Gruppe, die nun seit Anfang März das Projekt entwickelt. In dem Institut für biologische Forschungen, eine nun fast hundert Jahre zählende Einrichtung in Montevideo, arbeiten heute überwiegend Wissenschaftlerinnen.

Das Team hat sich zum Ziel gesetzt, auf den für PCR-Tests typischen Abstrich in der Rachenhöhle und in der Nase zu verzichten, mit dem das Probenmaterial bisher gewonnen wird. Man will mit einer einfachen Speichelprobe die gleichen Ergebnisse erzielen. Die Experten liegen damit im Trend, denn mehrere Forscherteams in verschiedenen Ländern in Europa und in den USA haben in den vergangenen zwei bis drei Monaten einen solchen Speicheltest entworfen, der bequemer, genauer und schneller als der herkömmliche PCR-Test ist. Manche sind noch im Prüfverfahren, andere werden bereits auf dem Markt angeboten.

Eine der Hauptuntersuchungen wird an der Universität von Southampton (England) durchgeführt, Pilotversuche sind bereits im Gange. Dort beteiligten sich im Monat Juli fast 40.000 Personen an Testreihen des neuen Speicheltests. Das Ergebnis lässt allerdings 24 Stunden auf sich warten.

Schnelltest in nur 45 Minuten

Die Uruguayer wollen einen entscheidenden Sprung nach vorne schaffen: Der gesamte Prozess vom Zeitpunkt der Probenentnahme bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses soll in weniger als 45 Minuten durchgeführt werden. Zusätzlich zu der leichten Handhabe des Prüf-Sets schafft das einen wichtigen Vorteil. Denn der Test findet so auch an Grenzübergängen oder Flughäfen bei Ein- und Ausreisenden eine schnelle und einfache Anwendung.

Auch die Anzahl der Untersuchungen in der Bevölkerung könnte damit insgesamt gesteigert werden. Es braucht auch keine aufwendige und teure Apparatur wie beim PCR-Test, der mithilfe eines DNA-Erhitzers arbeitet. Der Marktpreis des PCR-Tests liegt gegenwärtig bei 100 US-Dollar, der Speicheltest würde rund 40 US-Dollar kosten.

Letzte Etappen bis zum Einsatz des Tests

Das Institut Clemente Estable in Montevideo muss in der gegenwärtigen Phase noch zwei Prüfetappen durchführen, bis das Diagnosemittel definitiv einsatzbereit ist. Seine Validierung in Form eines Probelaufs mit mindestens 300 Testpersonen ist zur Zeit in vollem Gange. Dabei ist auch noch zu prüfen, ob verschiedene Qualitätskriterien in der Praxis den Anforderungen standhalten.

Das Forschungsteam bilden Paola Scavone, Paula Da Cunda, Ana María Ibáñez, Felipe Burgos, María José González und Eduardo Volotao.

In ersten Veröffentlichungen werden einzelne Schritte des Verfahrens deutlich. So vergrößert man zu Beginn das genetische Material der Probe. In der zweiten Stufe werden farbige Moleküle eingesetzt, die das spezielle Erbgut des Virus identifizieren. Das Ganze kann über einen Reaktiv-Streifen sichtbar gemacht werden, ähnlich wie bei einem Schwangerschaftstest. Darauf erscheinen entweder nur ein Strich (negativ) oder zwei Striche (positiv).

Der spezifische Erfolg der südamerikanischen Wissenschaftler besteht darin, dass sie diese Biotechnologie mit ihren eigenen, selbst entwickelten Molekülsystemen verbinden.

Die Technik eignet sich auch dazu, andere Viren und Bakterien festzustellen, was neue Möglichkeiten für die Diagnose bei Menschen, Tieren und in der Umwelt ermöglicht. Auf jeden Fall erlaubt die für Uruguay neuartige Entwicklung, sich von den Lieferbedingungen der Tests auf dem Weltmarkt unabhängig zu machen und sich auf die eigenen Kräfte zu verlassen.

Monitoring und Analyse der Viren-ADN

Eine zweite Einrichtung der biomedizinischen Forschung in Montevideo, das Pasteur-Institut,  konzentriert sich seit dem Ausbruch der Epidemie darauf, ein landesweites Beobachtungs- und Kontrollverfahren der Virusinfektion zu entwickeln. Das Institutmit seinem Labor für mikrobielle Genomik entwickelte das System „Monitor COVID-19“.

Die landesweit gewonnenen statistischen Daten werden mit der Oxford-Nanopore-Technologie verarbeitet. Neben den grafischen Darstellungen der Epidemieentwicklung auf der WEB-Seite des Instituts erstellt man auch Analysen über das Erbgut der Viren. Damit gelingt es, ihre Herkunft aus bestimmten Nachbarländern und ihre Verbreitung innerhalb Uruguays zu identifizieren. Außerdem gelingt es mit Hilfe des Systems, mögliche Virus-Mutationen zu erkennen und somit festzustellen, welche Varianten sich im Land befinden.

Laut dem Forschungsinstitut ermöglichen es die Daten, Sicherheitsmaßnahmen genauer aufeinander abzustimmen, wie z. B. an welchen Punkten die Grenzen geschlossen werden müssen, in welchen Gebieten verstärkt getestet werden sollte, oder wo Mobilitätsbeschränkungen nötig sein könnten.

Antikörpertest

Das Pasteur-Institut hat zudem einen Antikörpertest entwickelt, der heute einsatzbereit ist. Er sei als Ergänzung zu dem hier beschriebenen Speicheltest gedacht.

Damit soll festgestellt werden, welcher Teil – oder Prozentsatz – der Bevölkerung bereits infiziert wurde, ohne Symptome zu entwickeln. Er könne dazu beitragen zu verstehen, wie neue Infektionsherde entstehen, und die Kontakte zwischen symptomfreien Virusträgern nachvollziehbar machen. Bei COVID-19-Patienten im kritischen Stadium werde es die Antikörperbestimmung ermöglichen, Blutspender auszuwählen. Außerdem erlauben es diese Tests, die Entwicklung von Antikörpern nach Impfungen zu kontrollieren, um zu sehen, ob sie überhaupt effektiv sind.

US-Behörde FDA autorisiert Speicheltests

Am 8. Mai hat die US-amerikanische Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) einen Speicheltest der Rutgers-Universität für eine Probephase in den USA autorisiert. Am 16. Juli erschien auf der offiziellen Webseite der FDA eine Übersicht über die verschiedenen Testverfahren, mit denen eine COVID-19 Infektion festgestellt werden kann. Unter der Überschrift „Neue Diagnostik-Proben mit alternativen Methoden und deren Vorteile“ findet man dort den Speicheltest.

Dort sind auch die eigenständigen Speichelproben zu finden, die zur Zeit ebenfalls in den Vordergrund treten. Die Testperson gibt den Speichel in ein Teströhrchen und versendet es an eine Sammelstelle oder direkt an ein Labor. Auf diese Weise wird vermieden, dass potenziell infizierte Personen auf dem Weg zum Arzt oder zum Labor andere Menschen anstecken. Auch das Risiko für das medizinische Personal ist weit geringer, da es das Probenmaterial nicht persönlich entnehmen muss.

Im gleichen Text der FDA vom 16. Juli heißt es wörtlich: „Die FDA bietet Staaten, die zugelassenen Testlabors erlauben möchten, Tests für Coronaviren zu entwickeln und durchzuführen, Flexibilität an. Gemäß dieser Richtlinie übernimmt der Staat oder das Gebiet die Verantwortung für die Sicherheit und Genauigkeit der COVID-19-Tests durch Labore in seinem Staat/Gebiet, und das Labor muss keinen Antrag bei der FDA einreichen.“

Quelle: Russia Today (RT) vom 15.08.2020 


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Ein Kommentar zu Lateinamerika – Coronavirus: Neues Testverfahren aus Uruguay liefert schnelle Ergebnisse

  1. Ulrike sagt:

    Und in dumm-Deutschland braucht man dazu Tage.

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