Asien – Waffenruhe in Bergkarabach: Armenien und Aserbaidschan werfen einander Verstöße vor

Waffenruhe in Bergkarabach: Armenien und Aserbaidschan werfen einander Verstöße vor

Waffenruhe in Bergkarabach: Armenien und Aserbaidschan werfen einander Verstöße vor. Auf dem Bild: Ein zerstörtes Mehrfamilienhaus in Stepanakert, 5. Oktober 2020

Seit 10 Uhr MESZ gilt in der südkaukasischen Region Bergkarabach ein Waffenstillstand, den Armenien und Aserbaidschan unter Russlands Vermittlung vereinbart haben. Trotz der Einigung nach knapp zwei Wochen Kampfhandlungen ist die Lage vor Ort nach wie vor angespannt.

Kurz nach Inkrafttreten der in der Nacht zum 10. Oktober ausgehandelten Waffenruhe haben Armenien und Aserbaidschan einander Verstöße gegen die Einstellung der vor knapp zwei Wochen ausgebrochenen Kampfhandlungen im jahrzehntelangen Grenzkonflikt vorgeworfen.

Das Verteidigungsministerium in Jerewan warf der aserbaidschanischen Armee vor, um 12:05 Uhr Ortszeit (10:05 MESZ) eine Attacke am Frontabschnitt Karachambeili unternommen zu haben. Die Armee der international nicht anerkannten Republik Arzach wehre die Offensive von der südlichen Seite her ab. Der Gegner beschieße die Stadt Hadrut. Zugleich erteilte die Militärbehörde nach Angaben der Sprecherin Schuschan Stepanjan den Befehl, die Kämpfe zu stoppen.

Das Verteidigungsministerium in Baku wies die Anschuldigungen zurück und berichtete seinerseits, dass die armenische Seite die Städte Tərtər und Ağdam unter Beschuss nehme. Dies sei ein grober Verstoß gegen den Waffenstillstand. Armenien wies diesen Vorwurf wiederum zurück.

Inzwischen teilte der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew am Samstag in einem Interview mit dem russischen Medienunternehmen RBK mit, dass der Konflikt nun auf politischer Ebene geregelt werde:

Der militärische Teil, das heißt der erste Teil des Konfliktes, ist nun zu Ende. Jetzt sind wir auf dem Weg zu einer politischen Beilegung, die es uns ermöglichen wird, bis zu Ende zu gehen und das zu bekommen, was uns rechtmäßig gehört.

Armenien müsse akzeptieren, dass das umstrittene Gebiet Aserbaidschan gehöre. Davon hänge die Waffenruhe ab, so Alijew.

Der armenische Präsident Armen Sarkissjan bedankte sich am Samstag beim russischen Staatschef Wladimir Putin und dem russischen Außenminister Sergei Lawrow für die Vermittlung im Konflikt. Dabei brachte er seine Hoffnung zum Ausdruck, dass die Feuerpause halten und zum Beginn eines Friedensprozesses werde.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu nannte in einem Telefongespräch mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Dscheichun Bairamow die Waffenruhe einen wichtigen ersten Schritt, der allerdings keine dauerhafte Lösung sein könne:

Von Anfang an hat die Türkei immer unterstrichen, dass sie nur die Lösungen unterstützen wird, die im Interesse Aserbaidschans sind.

In diesem Sinne werde Ankara Baku weiterhin sowohl auf dem Schlachtfeld als auch am Verhandlungstisch beistehen, so Çavuşoğlu.

Auch der Iran begrüßte die von seinen Anrainerstaaten beschlossene Einstellung der Kampfhandlungen. Dies teilte der iranische Hassan Rohani in einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mit.

Nach den schwersten Kampfhandlungen seit Jahren in der südkaukasischen Region Bergkarabach hatten sich Armenien und Aserbaidschan in der Nacht zum Samstag unter der Vermittlung Russlands auf eine Waffenruhe geeinigt. Die Verhandlungen zwischen dem russischen Außenminister Lawrow und seinen Amtskollegen aus Armenien und Aserbaidschan, Sohrab Mnazakanjan und Bairamow, fanden hinter verschlossenen Türen statt und dauerten mehr als zehn Stunden. Danach teilte Lawrow mit, die Waffenruhe werde am 10. Oktober um 12 Uhr (Ortszeit) in Kraft treten. Sie solle dazu genutzt werden, um Kriegsgefangene und andere inhaftierte Personen auszutauschen und die Körper toter Soldaten in ihre Heimat zu überführen. Grundlegende Friedensverhandlungen solle es unter Führung der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geben.

Der jahrzehntelange Konflikt war am 27. September wieder eskaliert. Armenien und Aserbaidschan gaben einander die Schuld dafür. Die Behörden in Baku teilten mit, dass im Laufe der knapp zweiwöchigen Kampfhandlungen 171 Zivilisten verletzt und 31 getötet worden seien. 1.137 Häuser und 45 Mehrfamilienhäuser seien beschädigt worden. Die Armee der nicht anerkannten Republik Arzach bezifferte ihre Verluste unter den Soldaten auf mehr als 400.

Der Konflikt war ursprünglich im Februar 1988 ausgebrochen, als die Autonome Oblast Bergkarabach mit überwiegend armenischer Bevölkerung ihre Loslösung von Aserbaidschan angekündigt hatte. Im Laufe der bewaffneten Auseinandersetzungen, die von 1992 bis 1994 dauerten, verlor Baku die Kontrolle über Bergkarabach und sieben Anrainergebiete. Im Jahr 1994 unterzeichneten Aserbaidschan, Armenien und die Republik Bergkarabach unter Vermittlung der Russischen Föderation ein Protokoll über einen Waffenstillstand. Trotzdem kam es wiederholt zu Kampfhandlungen.

Quelle: Russia Today (RT) vom 10.10.2020 


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