Deutsche Sprache – Englisch auf dem Index


Dildoking

Andrea Grotheer 05.04.2019

Wolfgang Hildebrandt setzt sich seit gut 20 Jahren für die deutsche Sprache ein.
Wolfgang Hildebrandt setzt sich seit gut 20 Jahren für die deutsche Sprache ein. (Andrea Grotheer)

Hagen. Ein Softeis ist für ihn ein Cremeeis, ein Laptop ein Klapprechner: Wolfgang Hildebrandt ist Verfechter der deutschen Sprache und setzt sich gegen die Verwendung von englischen Ausdrücken, auch Anglizismen genannt, ein. „Meistens handelt es sich um Angloamerikanismen, weil sie aus dem Amerikanischen kommen“, erzählt der pensionierte Pädagoge, der auch Englisch unterrichtet hat und nicht die englische Sprache an sich, sondern deren Verwendung im Deutschen, das sogenannte Denglisch, ablehnt. Sprachpanscherei nennt Wolfgang Hildebrandt das.

Seit 1998 ist er Mitglied im Verein Deutsche Sprache, der seinen Sitz in Dortmund hat und rund 30 000 Mitstreiter zählt – über die Hälfte davon im Ausland. „Initialzünder war mein Bruder, dem ich nach einer Amerika-Reise vom Death Valley erzählte. Er fragte mich, warum ich nicht Tal des Todes sagen würde und machte mich so auf das Thema aufmerksam“, erinnert sich der Lehnstedter, der daraufhin selber über zahlreiche im Deutschen verwendete englische Wörter stolperte.

Für Wolfgang Hildebrandt handelt es sich nicht nur um sprachliche Ästhetik, sondern auch um Politik: „Viele Menschen verstehen nicht mehr, was sie lesen und werden somit von Informationen ausgeschlossen und dadurch ausgegrenzt“, sagt er. Dieser Zustand und die aus seiner Sicht kritiklose Hinnahme erinnere ihn sehr an die Vergangenheit. Dabei sei zu bedenken, dass sich bei Umfragen immerhin gut 70 Prozent der Befragten gegen diese Entwicklung ausgesprochen hätten, ohne daraus Konsequenzen zu ziehen.

Kulturgut deutsche Sprache

Wolfgang Hildebrandt unternimmt seit gut 20 Jahren viel, um sein Ziel – die Wahrung des Kulturgutes deutsche Sprache – zu verfolgen. Dazu gehören Infostände und Vorträge genauso wie Unterschriftensammlungen und Gespräche mit Politikern. Im Verein Deutsche Sprache ist er Regionalvertreter für den mit 27 beginnenden Postleitzahlenbereich, der knapp 200 Mitglieder verzeichnet. „Meine Region reicht von Cuxhaven bis kurz vor Nienburg, sogar Helgoland gehört dazu“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Sein manchmal durchaus unterschwelliger schwarzer Humor kommt auch in seinen Glossen durch, die er seit 14 Jahren als Anglizismenmuffel regelmäßig für die Zeitung Deutsche Sprachwelt und das Sonntagsjournal der Zevener Zeitung verfasst. Da wird die als „Kiss & Ride“ bezeichnete Kurzzeitparkzone an Bahnhöfen genauso aufs Korn genommen wie das Shoppingverbot am Sonntag, mit dem sich das Karlsruher Bundesverfassungsgericht befasste. Zusammengetragen hat der Autor seine Glossen in seinem Buch „Mal ganz ehrlich…“. Der Untertitel „Denglischt du noch oder sprechen Sie schon?“ gibt klar die Richtung vor.

 

Die Zeitung Deutsche Sprachwelt wird viermal im Jahr kostenlos vom Verein für Sprachpflege herausgegeben, in dem Wolfgang Hildebrandt zweiter Vorsitzender ist. Den ersten Vorsitz hat er im hannoverschen Verein Aktion Deutsche Sprache inne, dem Verein Neue Fruchtbringende Gesellschaft steht er als zweiter Vorsitzender zur Verfügung. 2007 war er Mitgründer dieser Gruppe, die ihren Sitz in Köthen bei Magdeburg hat und im dortigen Schloss die Erlebniswelt Deutsche Sprache betreibt. Als Residenzort der ersten deutschen Sprachgesellschaft namens Fruchtbringende Gesellschaft, die Fürst Ludwig zu Anhalt-Köthen 1617 gründete, sei das Gebiet prägend für den Ausbau der deutschen Sprache als Standardsprache. So hat nicht nur Martin Luther in der Region gewirkt. Gotthold Ephraim Lessing wurde in Sachsen geboren, Johann Wolfgang Goethe ließ sich als junger Mann am Hof von Weimar nieder. In Köthen beginnt auch die von der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft initiierte Straße der deutschen Sprache, die ein laufendes Projekt ist und aktuell 23 sprachgeschichtlich bedeutsame Orte umfasst.

Wer wissen will, wie er englische Ausdrücke durch deutsche Wörter ersetzen kann oder was Anglizismen bedeuten, kann sich im vom Verlag Deutsche Sprache herausgegebenen Anglizismen-Index informieren, der einem Wörterbuch ähnelt. Dort kann man beispielsweise nachlesen, dass ein Post-It eine Haftnotiz ist. „Es ist überhaupt kein Problem, darauf zu achten“, meint Wolfgang Hildebrandt. Man versuche, eigene Ausdrücke zu finden, wenn sich sogenannte Denkfabriken mal wieder ein neues englisches Wort für den deutschen Sprachgebrauch ausgedacht hätten. „Wir benutzen die gebräuchlichen deutschen Wörter. Haben wir keine Entsprechenden, versuchen wir, Eigene zu kreieren. Wenn das nicht gelingt, übernehmen wir ein passendes Fremdwort“, erklärt er die Vorgehensweise.

Wichtig sei es ihm, die Reihenfolge einzuhalten. Verteufeln wolle er die englischen Ausdrücke nicht. Doch viele Deutsche hätten sich innerlich von ihrer Muttersprache verabschiedet, während andere Völker mit ihrer Sprache pfleglicher umgingen, wie beispielsweise die Italiener oder Franzosen. Diese Form der  Sprachpflege berge viele Vorurteile, wie Wolfgang Hildebrandt schon oft feststellen musste.

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Rechtslastigkeit werde den Sprachwahrern, die sich auch für die Erhaltung der Schreibschrift und gegen die Rechtschreibreform ausgesprochen haben, unterstellt. Auch das Argument, dass sich die Sprache von alleine verändert habe, lässt er nicht gelten. „Sprache hat keine Erbanlagen und kann nur von Menschen verändert werden, wie alle Sprachen dieser Welt ebenso von Menschen geschaffen wurden“, sagt er und setzt sich weiter für die deutsche Sprache ein. Bei der Leipziger Buchmesse hat Wolfgang Hildebrandt die Zeitung Deutsche Sprachwelt an die Besucher verteilt. Auch honorarfreie Vorträge bietet er an. Weitere Informationen unter www.vds-bremerhaven.de. Dort sind auch die Glossen von Wolfgang Hildebrandt zu finden.

Quelle: Weser-Kurier vom 05.04.2019  


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