US-Wahlkampf: Bernie, die Nervensäge

Ein Kommentar von Roland Nelles, Washington

Demokratischer US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders
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Demokratischer US-Präsidentschaftsbewerber Bernie Sanders

Donald Trump kann sich freuen. Sein wichtigster Helfer im Kampf gegen Hillary Clinton ist derzeit ein Demokrat.

Respekt vor dieser Leistung. Bernie Sanders, der Hinterbänkler aus dem Ministaat Vermont, hat es wirklich geschafft, mit einer klassisch-linken Agenda eine beeindruckende Vorwahl-Kampagne auf die Beine zu stellen. Wo er in den USA auftaucht, jubeln ihm Tausende zumeist junge Leute zu. Auch für viele Linke in Europa ist er ein Held.

Aber jetzt ist auch mal gut. Er hat sich mit seiner reinen Lehre nicht durchsetzen können. Er sollte endlich aus dem Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur ausscheiden – und seine Anhänger zur Wahl von Hillary Clinton am 8. November aufrufen.

Nur: Sanders denkt offenbar gar nicht daran. Das ist gefährlich für Hillary Clinton. Bei den Republikanern steht Donald Trump als Präsidentschaftskandidat fest. Er kann sich als Sieger feiern lassen, aber sie muss sich in den verbleibenden Vorwahlen auf der demokratischen Seite weiter mit Sanders herumärgern.

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Das beschädigt sie, lenkt sie ab und schwächt sie im eigentlichen Hauptkampf gegen Trump. Statt vereint gegen den republikanischen Kandidaten vorzugehen, sind die Demokraten gespalten. Clinton wagt es nicht, Sanders öffentlich zum Verzicht zu raten, denn sie muss fürchten, seine leicht entflammbare Anhängerschaft gegen sich aufzubringen. So ist Sanders derzeit Trumps wichtigster Wahlhelfer.

Zwar kann Sanders weiterhin einige knappe Siege über Clinton wie jetzt in Indiana erzielen. Doch die werden nichts daran ändern, dass sie die Kandidatin wird. Er hat praktisch keine Chance mehr, Hillary Clintons Vorsprung bei der Zahl der Delegiertenstimmen einzuholen. Sie hat in den Staaten die meisten Stimmen gewonnen und fast alle Superdelegierten aus dem Parteiestablishment halten eisern zu ihr. Sie wollen schlicht keinen roten Präsidenten à la Sanders.

Schon seit einiger Zeit geht Clinton auf die Sanders-Anhänger zu. Sie tritt mit einem linkeren Kurs an. Sie will für einen höheren Mindestlohn kämpfen (bis zu 15 Dollar die Stunde), sie verspricht, den Klimawandel einzudämmen. Sie will die Lebensverhältnisse von Studenten und Arbeitern verbessern. Das sind alles Bernie-Sanders-Themen. So gesehen hat er die Agenda der Demokraten bereits nach Links verschoben. Das ist ein schöner Erfolg für ihn.

Clinton braucht die Sanders-Leute dringend. Vor allem die vielen jungen Aktivisten, die sich bei Facebook oder in Foren für ihn engagieren, wären eine große Hilfe für sie. Denn dieser Wahlkampf, so viel steht fest, wird auch im Netz entschieden.

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Aber Sanders schert sich nicht darum. Er scheint den Kampf mit Clinton sogar noch auf die Spitze treiben zu wollen. Er mobilisiert seine Anhänger weiter gegen sie. Statt Trump attackieren sie lieber die Demokratin, bei Twitter trendete unter Bernie-Fans in dieser Woche der Hashtag #DropOutHillary.

Womöglich spekuliert Sanders nun darauf, dass Clinton ihn in einem „Unity Ticket“ zu ihrem „Running Mate“, also zum Kandidaten für den Posten des Vize-Präsidenten macht. Aber weder Sanders noch Clinton haben bislang öffentlich Sympathie für einen solchen Plan erkennen lassen. Es wäre ein großes Risiko für sie: Ein linker Vizepräsidentenkandidat Sanders könnte Clintons Plan zunichte machen, auch republikanische Wähler anzusprechen.

Bernie Sanders ist ein beeindruckender Politiker, aber jetzt nervt er. Als Hillary Clinton 2008 gegen Barack Obama bei den Vorwahlen unterlag, rief sie ihre Anhänger dazu auf, Obama bei der Präsidentenwahl unbedingt zu unterstützen. Das war eine große Geste. Sanders Strategen drohen Clinton jetzt sogar damit, beim Parteitag in Philadelphia im Juli eine Kampfkandidatur anzustreben. Das wäre keine große Geste, sondern unfair.


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Will er das wirklich? Noch hat Sanders die Wahl: Er kann sich als guter und souveräner Verlierer erweisen und abtreten. Oder er geht womöglich als der Mann in die Geschichte ein, der dabei mithalf, Donald Trump zum Präsidenten zu machen.

Quelle: Spiegel-online vom 06.05.2016


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