50 Jahre lange Vertuschung fordert Millionen Todesopfer

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08.06.2016
Dr. Joseph Mercola

Über 2 Millionen Menschen sind allein in Amerika von einer Infektion mit antibiotikaresistenten Erregern betroffen, 23 000 sind bereits daran gestorben.1 Noch mehr sterben an Komplikationen, die mit den Infektionen einhergehen, und diese Zahlen steigen stetig.



Laut der US-amerikanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten (IDSA) tötet ein einziger Organismus – der MRSA Virus (Methylin-resistenter Staphylococcus aureus) – jedes Jahr mehr Amerikaner als Lungenemphyseme, HIV/AIDS, Parkinson und Tötungsdelikte zusammengenommen.2

Laut einer 2015 vom britischen Premierminister David Cameron beauftragten Untersuchung3,4 werden bis 2050 weltweit jährlich 10 Millionen Menschen an antibiotikaresistenten Keimen sterben, und die Behandlungskosten dafür werden sich auf rund 100 Billionen US-Dollar belaufen.


Experten warnen schon seit Jahren vor den Folgen der Antibiotikaresistenz, doch weil diese Warnungen größtenteils ignoriert wurden, konnte die Anzahl der Stämme, die selbst gegen die stärksten Antibiotika resistent sind, unvermindert anwachsen.

Teil des Problems sind sicherlich die Überdosierung von Antibiotika in der Medizin und der weitverbreitete Einsatz antibakterieller Reinigungsmittel (wenn sie Triclosan beinhalten 5). Am meisten ist jedoch die unangemessene landwirtschaftliche Anwendung von Antibiotika für die antibiotikaresistenten Superbakterien verantwortlich zu machen, mit denen wir es heute zu tun haben.

Schätzungsweise 80 Prozent der in den USA verkauften Antibiotika enden in Schlachttieren. Kommerzielle Hühnerproduzenten beispielsweise behandeln seit Langem Eier mit Gentamicin, einem für die Humanmedizin als »essenziell« gelisteten Antibiotikum. Ein Hühnerproduzent jedoch hatte ein Einsehen und hat dieses riskante Verfahren eingestellt.

Die Fleischproduktion kann ohne Arzneimittel florieren

Das Unternehmen Perdue Farms verwendet kein Gentamicin mehr. Laut einem kürzlich in Mother Jones6 erschienenen Bericht ist das einzige Antibiotikum, das Perdue noch einsetzt, Narasin. Und auch dieses Antibiotikum, das nicht in der Humanmedizin verwendet wird, bekommt nur etwa ein Drittel der Hühner (gegen eine parasitäre Darmerkrankung namens Kokzidiose).

Alle anderen Antibiotika werden ausschließlich kranken Vögeln verabreicht (ca. 4 Prozent des Gesamtbestands). Mother Jones berichtet:

»Perdue, der viertgrößte Geflügelproduzent der USA, macht sich daran, zu beweisen, dass die Massenproduktion von Fleisch auch ohne Arzneimittel profitabel sein kann.

2014 verbannte das Unternehmen Gentamicin aus all ihren Brutbetrieben. Dies war die letzte Phase eines im Jahr 2002 in aller Stille begonnenen Bestrebens, die routinemäßige Anwendung von Antibiotika aus dem gesamten Produktionsprozess zu streichen.«

Interessanterweise schnitt Perdue 2010 in einem Test des Verbrauchermagazins Consumer Reports, in dem kommerzielles Geflügel auf die Lebensmittelpathogene Salmonellen und Campylobacter untersucht wurden, am besten ab. In 56 Prozent der Perdue-Hühner wurde keines der Pathogene gefunden.

Bei Perdues größten Konkurrenten, Tyson und Foster Farms, wurden 80 Prozent der Hühner positiv auf eines oder beide Bakterien getestet. Hühner aus biologischer Aufzucht hatten keine Salmonellen, aber 57 Prozent wiesen Campylobacter auf.

Zitat aus Consumer Reports: »Dies ist das erste Mal, seit wir Hühner testen, dass eine große Marke deutlich besser abschneidet als alle anderen.« Schon da wurde der beispiellose Erfolg von Perdue auf seine strengere Antibiotika-Handhabung zurückgeführt.

Warum werden Antibiotika in der Lebensmittelproduktion eingesetzt?

Lebensmittelproduzenten verwenden Antibiotika aus zweierlei Gründen: um Krankheiten zu bekämpfen, die von der beengten Haltung und unhygienischen Bedingungen herrühren, und um das Wachstum zu beschleunigen.

Dass Antibiotika das Wachstum ankurbeln können, wurde in den 1950er-Jahren bei American Cyanamid (heute Teil des Pfizer-Konzerns) herausgefunden. Diese Entdeckung revolutionierte die Nutztierzucht, weil die Farmer nun schneller größere Hühner, Truthähne, Schweine und Kühe produzieren konnten, ohne ihnen mehr Futter zu geben.

Das größte Problem bei der Anwendung von Antibiotika in der Lebensmittelproduktion besteht darin, dass Mikroben schnell eine Resistenz entwickeln, wenn sie wiederholt niedrigen Antibiotikadosierungen ausgesetzt sind. Diese Problematik zeigte schon der Biologe Dr. Alexander Fleming, der Entdecker des Penicillins, auf.

Wenn nicht alle diese Mikroben getötet werden, so Fleming, vererben die überlebenden ihre resistenten Gene an die nächste Bakteriengeneration. Im Lauf der Zeit wird die Resistenz stärker und stärker, bis das Bakterium völlig unempfindlich gegen den Wirkstoff ist. Im oben genannten Artikel heißt es:8

»Wenn man Tausende von Hühnern in einer großen geschlossenen Scheune dauerhaft z. B. mit Tetracyclin behandelt, riskiert man die Entstehung eines E.-coli-Superbakteriums, das immun gegen das Antibiotikum ist. Die neuen Resistenzen dieses Bakteriums können auch auf einen Salmonellenstamm übergreifen, der sich gerade zufällig dort herumtreibt. Und schon haben zwei garstige Pathogene, die die Menschen plagen, Tetracyclin-resistente Stämme entwickelt.«

Die 50 Jahre dauernde Vertuschung

Zwischen 1960 und 1970 stieg die Antibiotikaverabreichung an Schlachttiere um das Sechsfache an. Es dauerte nicht lange, und Wissenschaftler begannen zu warnen, dass diese Praktik das Potenzial hätte, eine weitgreifende Gesundheitskrise hervorzurufen.

Ende der 1960er-Jahre fanden britische Wissenschaftler heraus, dass die Verfütterung von Antibiotika an Tiere resistente Bakterien heranzüchtete, die auf den Menschen übertragen werden konnten. Ein Arbeitskreis der US-amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) kam 1972 zum selben Schluss.

Damals legte die FDA fest, dass Arzneimittelhersteller beweisen mussten, dass ihre Produkte nicht zu Resistenzen beitrugen. Andernfalls verlören sie ihre Medikamentenzulassung. Also ging die Pharmaindustrie daran, nachzuweisen, dass Antibiotika in Tierfleisch keine solchen Probleme hervorrufe.

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Doch wie Mother Jones berichtet, erledigten sie nicht die eigentliche Aufgabe, sondern ihr Bemühen bestand vielmehr darin die Tatsachen zu vertuschen und das bereits seit 50 Jahren:

»Das Animal Health Institute, eine Handelsgruppe aus Produzenten von Tierpharmazeutika, kontaktierte Dr. Stuart Levy, einen jungen Wissenschaftler von der Tuffs University, der auf Antibiotikaresistenz spezialisiert war.

Die Gruppe beauftragte Levy, Hühnern täglich winzige Antibiotikamengen zu verabreichen und zu untersuchen, ob die Bakterien in ihren Därmen Resistenzen entwickelten … Levy fand in der Nähe von Boston eine Familienfarm und experimentierte dort mit zwei Hühnervölkern.

Eine Herde bekam kleine Mengen Tetracyclin, die andere keine Arznei. Innerhalb von 48 Stunden zeigten sich im Kot der Tetracyclin-Herde Stämme von E. coli, die gegen das Medikament resistent waren.

Nach einer Woche waren alle E. coli in den Ausscheidungen dieser Vögel immun gegen Tetracyclin. Und nach drei Monaten zeigten die E. coli Resistenzen gegen vier andere Antibiotika, denen diese Vögel niemals ausgesetzt waren: Sulfonamid, Ampicillin, Streptomycin und Carbenicillin.

Am verblüffendsten war die Entdeckung der Wissenschaftler, dass E. coli mit Resistenzen gegen mehrere Antibiotika auch im Kot der Bauernfamilie nachzuweisen war – nicht aber bei einer Kontrollgruppe aus Nachbarn.

Die im New England Journal of Medicine veröffentlichten Ergebnisse waren derart offensichtlich, dass Levy eigentlich glaubte, sie würden die Industrie veranlassen, ihren verschwenderischen Einsatz von Antibiotika zu überdenken oder wenigstens die FDA dazu bringen, ihn einzuschränken. Doch die Industrie wies die Studie, die sie selbst finanziert hatte, zurück und stellte die Richtigkeit der Daten infrage …

1977 kündigte die FDA neue Regelungen an, die wohl Tetracyclin und Penicillin effektiv aus Tierfutter verbannt hätten. Doch der Bewilligungsausschuss des Landwirtschaftsministeriums unter Leitung des Abgeordneten und Agri-Business-Verfechters Jamie Lloyd Whitten (Mississippi) befahl der FDA, die Ergebnisse weiterer Studien abzuwarten.«

Die FDA war an der Vertuschung beteiligt

Eine interne FDA-Untersuchung über die Sicherheit von Substanzen aus den Penicillin- und Tetracyclin-Antibiotikaklassen als Zusätze im Tierfutter begann 2001 und endete 2011. Sie erbrachte, dass 26 der 30 getesteten Arzneimittel die Sicherheitsbestimmungen von 1973 nicht erfüllten, und heutige Sicherheitsrichtlinien erfüllen keines davon.

Doch diese Information kam erst ans Licht, nachdem die Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) im Rahmen des Freedom of Information Act (Gesetz zur Wahrung des Auskunftsrechts) die FDA im Juni 2012  um die entsprechenden Unterlagen bat. Die FDA muss bei der Bestimmung der Sicherheit von antibiotikabasierten Futterzusätzen drei Faktoren einbeziehen:


  1. Werden dadurch antibiotikaresistente Bakterien in die Nahrungsmittelkette eingebracht?
  2. Könnten Menschen mit diesen Bakterien in Kontakt kommen?
  3. Könnten Menschen, die mit diesen Bakterien in Kontakt kommen, noch mit Humanantibiotika behandelt werden?

Basierend auf diesen drei Fragen beschloss der NRDC-Bericht9, dass ALLE Futterzusätze, die Penicilline oder Tetracycline enthalten, ein »hohes Risiko« für die Gesundheit der Menschen darstellen und für Tierfutter nicht erlaubt werden sollten. Doch etwa die Hälfte der insgesamt verkauften Antibiotika aus diesen Familien wird zu eben diesem Zweck verwendet.

Die FDA war sich dessen seit dutzenden Jahren bewusst, hatte aber nichts unternommen, um die unsichere Anwendung dieser Arzneimittel zu unterbinden. Laut dem Bericht des NRDC wurden bereits in den 1970er-Jahren, als viele der heute im Futter verwendeten Antibiotika erneut für die FDA-Zulassung untersucht wurden, 18 von den 30 Antibiotika als »hohes Risiko« für die menschliche Gesundheit eingestuft. Dennoch wurden sie als Tierfutter zugelassen.


Im Lauf der Jahre, als die Warnung vor ernsthaften Schäden für den Menschen immer lauter wurden, begannen die Bauern nicht etwa, weniger Antibiotika zu verwenden, nein, sie setzten mehr Antibiotika ein. Zwischen 2009 und 2014 stieg der Antibiotikaverbrauch in der US-amerikanischen Landwirtschaft um 23 Prozent.

Im Dezember 2013 gab die FDA endlich ihre lange überfällige Richtlinie über landwirtschaftliche Antibiotika heraus. Leider ging sie nur so weit, die Arzneimittelproduzenten zu bitten, freiwillig die landwirtschaftliche Anwendung von Antibiotika, die für die Humanmedizin wichtig sind, einzuschränken. Die Wachstumsbeschleunigung von Tieren sollte auf dem Etikett eindeutig als Anwendungsgebiet ausgeschlossen werden.10


Die Regelung tritt im Januar 2017 in Kraft. Doch die Bauern können nach wie vor Antibiotika zu therapeutischen Zwecken einsetzen. Und dieses Schlupfloch erlaubt es ihnen, weiterhin ihren Tieren Antibiotika zur Wachstumsbeschleunigung zu verabreichen, ohne es tatsächlich zugeben zu müssen, auch ist die Verfolgung allenfalls als nachlässig zu bezeichnen.

Warum werden die meisten kommerziell gezüchteten Küken schon vor dem Schlüpfen mit Impfstoffen und Antibiotika behandelt?

Kommen wir zurück zu Perdue und der Geflügelproduktion. Die Hühner werden nicht nur mit Antibiotika gefüttert. Wie bereits erwähnt, behandeln die meisten Brutbetriebe schon die Eier mit Genatmicin. Mother Jones erklärt:

»Vor etwa 40 Jahren griff ein Herpesvirus namens Marek-Krankheit Hühner an, und Tierärzte fanden heraus, dass Küken, die noch im Ei geimpft wurden, lebenslang davor geschützt waren. Aber wenn man eine Nadel durch die Eierschale sticht, können durch die kleine Öffnung Bakterien eindringen.

Um dieses Problem zu lösen, mischten die Brutbetriebe kleine Mengen Gentamicin in den Impfstoff … Diese Methode war so effektiv, dass sich die Verbannung von Antibiotika aus dem Produktionsprozess bei Perdue in den Brutbetrieben am schwierigsten gestaltete.

Das Unternehmen bezieht seine Eier von Vertragsbetrieben, und in der Vergangenheit waren die gelieferten Eier häufig mit bakterienbelastetem Mist behaftet. Heute verlangt Perdue von den Brutbetrieben, die Eier vorher zu säubern.

Früher mischte man bei Perdue auch den Marek-Impfstoff mitten in einer alles andere als hygienischen Umgebung. Heute lässt das Unternehmen den Impfstoff unter sterilen Laborbedingungen mischen und impft saubere Eier mit einem sauberen, antibiotikafreien Serum. Es dauerte seine Zeit, aber im März 2014 hatte Perdue Antibiotika aus allen seinen 16 Brutbetrieben verbannt.«

Wie die Geflügelimpfung ein tödliches Supervirus schuf

Was Mother Jones nicht näher untersuchte, ist die Geschichte, wie dieser Impfstoff ein Supervirus geschaffen hat. Wie schon vom US-Fernsehsender PBS11 berichtet wurde, stecken geimpfte Hühner die ungeimpften mit der Marek-Krankheit an, und Studien ergaben, dass sich durch die Impfung die Krankheit sogar schneller verbreitet, als sie es normalerweise täte.

Im Vergleich zu einem kranken ungeimpften Vogel sondert ein geimpfter Vogel 10 000-mal mehr Viren ab. Wissenschaftler fanden auch heraus, dass die Impfung das Virus virulenter macht, mit außergewöhnlich schnellem tödlichem Ausgang für ungeimpfte Vögel, die sich das Virus über kontaminierten Staub einfangen können.12 PBS meldete:

»Dies ist das erste Mal, dass dieses virenstärkende Phänomen, die Hypothese von der unvollkommenen Impfung, im Experiment nachgewiesen wird … Der Impfstoff ist ›leaky‹, ›leck‹. Ein ›leaky‹ Impfstoff ist einer, der eine Mikrobe davon abhält, ihrem Wirt schwere Schäden zuzufügen, aber die Krankheit nicht davon abhält, sich zu wiederholen und auf andere Individuen überzugreifen …

Die Ergebnisse werfen Fragen hinsichtlich einiger ›leaky‹ Humanimpfstoffe auf – etwa Impfstoffe gegen Malaria und Vogelgrippe … Auch Impfstoffe gegen HIV und Keuchhusten können ›leck‹ sein …

›Früher löschte sich ein virulent wütender Virenstamm nach einiger Zeit selbst aus. Heute hält man seinen Wirt mit einer Impfung am Leben, dann kann er übertragen und in der Welt verbreitet werden‹, sagte Co-Autor Andrew Read. ›So steht ihm eine Zukunft samt Evolutionsmöglichkeit offen, die er früher nicht hatte‹ … Die Impfung einer Vogelgruppe führt zur Übertragung eines Virus, das so aktiv ist, dass es die anderen Vögel umbringt …

Impfstoffe gegen die Vogelgrippe sind ›leck‹ wie der Marek-Impfstoff. Deshalb sind sie in den USA und Europa nicht für landwirtschaftliche Zwecke erlaubt. Wenn in den westlichen Hühnerpopulationen die Vogelgrippe ausbricht, müssen die Züchter ihren gesamten Bestand töten.

In Südostasien jedoch wird dieser Impfstoff verwendet, wodurch das Virus die Möglichkeit zur Evolution hat, ähnlich wie bei der Marek-Krankheit. ›Dadurch schaffen sie die Bedingungen, in denen sich eine supergefährliche Vogelgrippe entwickeln könnte‹, sagte Read. ›Dann stellt sich die Frage, was es bedeuten könnte, wenn sie auf andere Herden überspringt, auf Wildtiere oder auf Menschen. In Sachen Vogelgrippe wird man immer mit evolutionären Problemen rechnen müssen.‹«

Probiotika und Oregano ersetzen bei Perdue Farms die Antibiotika

Was sorgt aber bei Perdue statt Antibiotika dafür, dass die Vögel mollig und gesund bleiben? Es sind natürliche Mittel wie Probiotika und Oregano. Wie beim Menschen werden Krankheitserreger unterdrückt und die Immunfunktion gestärkt, indem man den Darm der Hühner mit gesunden Bakterien »impft«. Bestimmte Probiotikastämme (die Perdue als Betriebsgeheimnis hütet) können ebenso nachweislich das Wachstum der Hühner ankurbeln. Zudem heißt es bei Mother Jones:

»Nachdem Perdue 2011 die Bio-Hühnerfabrik Coleman Natural Foods gekauft hatte, übernahm man eine weitere unorthodoxe Therapiemethode: Oregano. Das duftende Kraut wirkt antimikrobiell, und als Zusatz im Futter hilft es den Hühnern, Infektionen abzuwehren. Ich frage Stewart-Brown, ob denn nicht schlechte Mikroben auch Resistenzen gegen Oregano entwickeln könnten. Vermutlich schon, sagt er. Perdue verwendet Oregano nur zur Abwehr ganz bestimmter Infektionen, nicht als dauerhaften Futterzusatz.

Der Schritt weg von den Antibiotika zwang Stewart Brown, über das generelle Wohlbefinden der Vögel nachzudenken … Perdue dreht nachts sogar für ein paar Stunden das Licht in den Hühnerhäusern ab, damit sich die Vögel ausruhen können. Früher war das Licht rund um die Uhr an – weil wache Hühner mehr fressen und somit schneller fett werden.

Weniger Stress durch die Möglichkeit zum Ausruhen macht die Hühner gesünder – und weil gesunde Vögel schneller wachsen, hat der extra Schlaf denselben Effekt wie permanentes Fressen und ist dazu auch billiger.«13

Eine andere Alternative, die erforscht werden sollte, ist kolloidales Silber, das eine jahrtausendealte Tradition hat. Laut einer Studie14 von 2013 über die Fähigkeit von Silber, postoperative Infektionen zu reduzieren oder zu vermeiden, ist seine keimtötende Aktivität seit Langem bekannt. Wissenschaftler haben auch gezeigt, dass Silber Antibiotika Tausende Male effektiver macht!15

Sie haben es in der Hand

Warum führt Perdue all diese Neuerungen ein, wenn es gar nicht verlangt wird? Nun, es stellt sich heraus, dass Perdue auf die Verbraucher hört. Ab 2002 registrierte das Unternehmen anwachsende Nachfragen über seine Verwendung von Antibiotika. »Man kann den Kunden mit Wissenschaft erschlagen, um ihm zu suggerieren, alles sei in Ordnung. Aber die Sorgen sind natürlich trotzdem real«, so Perdue.

Ein paar Jahre zuvor, 1998, begann das Unternehmen ein Experiment, um den Einfluss von Antibiotika aufs Wachstum zu ermitteln. Drei Jahre später lagen die Ergebnisse vor, und sie sprachen gegen den weiteren Einsatz der Arzneimittel.

In der Studie waren fast 7000 Hühner in 19 Farmen untersucht worden. Die Hälfte bekam wachstumsfördernde Antibiotika, die andere Hälfte nicht. Vor dem Schlachten wurde jedes Huhn gewogen. Der Unterschied war minimal. Die Vögel ohne Antibiotika wogen im Schnitt nur 13 bis 18 Gramm weniger als die mit Antibiotika gefütterten. Das ist nicht viel, wenn man bedenkt, dass ein durchschnittliches Hühnchen zwischen 2 und 3 Kilo wiegt.

Die Ergebnisse bewiesen: Man kann die Medikamente weglassen, ohne Profit einzubüßen. Deshalb beschloss man bei Perdue, den besorgten Verbrauchern entgegenzukommen und bei der Hühnerproduktion auf Antibiotika zu verzichten.

Interessanterweise fand 2015 eine wissenschaftliche Überprüfung heraus, dass Antibiotika inzwischen nicht mehr so wachstumsfördernd wirken wie einst. Vor 1980 kurbelten sie das Wachstum um rund 15 Prozent an. Im Jahr 2000 war dieser Effekt auf 1 Prozent gesunken. Die Ursache dafür wird in besserer Ernährung und Hygiene sowie in verbesserten Brutmethoden gesehen. Insgesamt scheint es auf der Hand zu liegen, dass die Verabreichung von Antibiotika – zumindest bei der Hühnerzucht – KEINERLEI Nutzen mehr hat, außer wenn es um die Behandlung eines tatsächlich kranken Tieres geht.


Die Vorgehensweise von Perdue ist ein perfektes Beispiel dafür, was passiert, wenn genügend Leute sich die Zeit nehmen, um Lebensmittelherstellern ihre Meinung und ihre Sorgen mitzuteilen. Ihre Aktionen waren hier entscheidend, und es ist wichtig, das zu erkennen. Selbst wenn Sie kein Unternehmen direkt kontaktieren: Jedes Mal, wenn Sie ein Produkt kaufen, geben Sie mit Ihrer Brieftasche ein Votum ab, und mit Ihrem Einkauf steuern Sie das Lebensmittelangebot. Wählen Sie also mit Bedacht das System, in das Sie sich quasi einkaufen.

Sanderson Farms und KFC sollten Perdues Beispiel folgen

Trotz aller Beweise, wie fatal die Situation angesichts der antibiotikaresistenten Krankheiten inzwischen ist, gibt es noch immer Unternehmen, die sich nicht darum scheren. Sanderson Farms und Kentucky Fried Chicken (KFC)16 sind zwei davon. Laut Joe Sanderson, Geschäftsführer von Sanderson Farms, ist der Antibiotikaverzicht von Perdue nichts weiter als eine Marketingstrategie, die er nicht nachahmen möchte. In dem erwähnten Artikel heißt es:17

»Sanderson hält an der altmodischen Linie fest und behauptet, es gebe ›keine Beweise, dass die Verwendung dieser Antibiotika für Hühner resistente Bakterien hervorbringt‹. Der Preis sei der Entscheidungsträger Nummer 1, wenn Leute in den Laden gehen, um Hühnchen zu kaufen, sagt Sanderson, und der Einsatz von Antibiotika sei die billigste Art, schnell viel Fleisch zu produzieren. ›Wir glauben, dass der Großteil der in den Supermärkten verkauften Hühner weiterhin mit Antibiotika aufgezogen wird‹, sagt er.«



Nein, Mr. Sanderson. Der Preis spielt zwar sicherlich eine Rolle, aber an diesem Punkt in der Geschichte ist er nicht mehr der entscheidende Faktor. Es stehen wortwörtlich Millionen von Leben auf dem Spiel, wenn wir nicht das Grundproblem angehen, und das sind in der Landwirtschaft eingesetzte Antibiotika. Ein paar Cent mehr für ein Pfund Huhn ist ein kleiner Preis für ein sicheres Produkt, und ich bin sicherlich nicht der Einzige, der so denkt.

Die Tatsache, dass Perdue schneller wächst als jeder seiner Konkurrenten, belegt dies. Die Tatsache, dass andere Geflügelkonzerne – mit Ausnahme von Sanderson – ebenfalls auf die antibiotikafreie Zucht übergehen, ist ebenfalls ein guter Hinweis.

Auch bei KFC nimmt man die Situation bislang nicht ernst. Während viele andere Restaurantketten wie McDonald’s, Subway und Taco Bell eingestimmt haben, weniger oder gar keine mit Antibiotika aufgezogenen Hühner mehr anzubieten, hat KFC nichts in der Richtung unternommen.

Mit Antibiotika behandeltes Schweinefleisch kann krebserregende Rückstände enthalten

Mit Antibiotika behandelte Lebensmittel zu essen, ist so, als würde man täglich eine kleine Menge Antibiotika direkt einnehmen. Genau das wollen Sie jedoch ganz bestimmt nicht, wenn Sie auf Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden achten. Antibiotika können Ihre Darmflora schädigen und Sie anfällig für medikamentenresistente Infektionen machen.

Zudem können solche Lebensmittel gefährliche Arzneirückstände enthalten. Ein Beispiel ist das tiermedizinische Antibiotikum Carbadox, das amerikanische Schweinezüchter seit fast 40 Jahren einsetzen. Es schützt vor Schweinedysenterie und bakterieller Porciner Enteritis und beschleunigt – wie viele Antibiotika – das Wachstum.

Im April gab die FDA bekannt, dass sie eine vorläufige Risikobewertung durchgeführt hat, die darauf hinweist, dass Fleisch von Schweinen, die mit Carbadox behandelt wurden, Spuren krebserregender Rückstände enthält. Das gilt insbesondere für Schweineleber, die in Frühstücksfleisch, Hotdogs und Wurst verarbeitet wird. In der Zeitschrift Politico ist zu lesen:18

»›Die Agentur stellt klar, dass sie den Bürgern nicht empfiehlt, ihre Wahl der Lebensmittel zu ändern, während sie daran arbeitet, Carbadox vom Markt zu nehmen.‹ Das potenzielle Krebsrisiko beruht auf dem angenommenen lebenslangen Konsum von Schweineleber oder anderen Schweineprodukten mit Carbadox-Rückständen. Kurzfristige Veränderungen in der Ernährung können das lebenslange Risiko einer Person wohl kaum beeinflussen …«

Dies zeigt, wie wenig wir über die Sicherheit der Antibiotika wissen, die Schlachttieren verabreicht werden. Und es ist ein weiteres Alarmsignal, dass wir in unserer Lebensmittelversorgung wirklich aufräumen müssen. Es gibt sichere Alternativen – warum nutzen wir sie nicht? Die Kosten sind eventuell etwas höher, aber ich bin mir sicher, dass die 2 Millionen Amerikaner, die sich alljährlich mit antibiotikaresistenten Keimen anstecken, der Meinung sind, dass sich diese Extrakosten lohnen.

Die Angehörigen und Freunde der Zehntausenden, die an diesen antibiotikaresistenten Infektionen sterben, werden dem sicherlich zustimmen. An welchem Punkt beginnt die Volksgesundheit, den Profit von Konzernen zu überstimmen? Sind 23 000 Tote im Jahr noch nicht genug? Wie hoch muss die Todesrate sein, ehe Unternehmen wie Sanderson ihre Verantwortung, sichere und gesunde Lebensmittel zu produzieren, ernst nehmen?


Anmerkungen:

 

CDC.gov Antibiotic Resistance Threats in the United States, 2013

Forbes, 7. Mai 2013

Review on Antimicrobial Resistance

ABC7, 16. Mai 2016

Time, 18. Mai 2016

6, 8, 13, 17 Mother Jones, Mai/Juni 2016

Consumer Reports, Januar 2010

Natural Resources Defense Council

10 Medpage Today, 29. Dezember 2013

11 PBS, 27. Juli 2015

12 PLOS Biology, 27. Juli 2015

14 Surgical Infections, Februar 2013;14(1):8–20.

15 Nature, 19. Juni 2013

16 Courier Journal, 20. Mai 2016

18 Politico, 11. April 2016

Kopp Verlag


Quelle: Kopp-online vom 08.06.2016

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Ein Kommentar zu 50 Jahre lange Vertuschung fordert Millionen Todesopfer

  1. Ulrike sagt:

    Tja die schlaue Menschheit bringt sich selber um. Irgendwann sind dann eben ausgestorben.

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