Migrationsforscher über Parallelgesellschaften: Clan-Familien verachten die deutsche Selbstverleugnung

Von Reinhard Werner 28. August 2019 Aktualisiert: 28. August 2019 20:01

In einem Interview mit der „Lüneburgischen Landeszeitung“ hat Migrationsforscher Dr. Ralph Ghadban kritisiert, dass Deutschland sich unter dem Banner der „Multikulti“-Ideologie weigere, nach kulturellen Ursachen für die Ausbreitung krimineller Parallelstrukturen zu fragen. Dies zeige sich insbesondere mit Blick auf arabische Clans.

Seit der Anfang der 1970er Jahre nach Deutschland gekommene, im Libanon geborene Migrationsforscher Dr. Ralph Ghadban ein Buch über Macht, Strukturen und Einfluss arabischer Clans und krimineller Großfamilien in Deutschland geschrieben und dazu auch noch ein Interview im libanesischen Fernsehen gegeben hatte, steht er unter Polizeischutz.

Grund dafür sind massive Drohungen, die ihn via E-Mail erreicht hatten und die eingesetzt hatten, nachdem im April des Jahres die so genannte „Familien-Union“ in Essen zusammengetreten sei. Diese versteht sich als inoffizielle Interessensvertretung der arabischen Großfamilien.

„Disneyland für Clans“

In einem Interview mit der „Lüneburgischen Landeszeitung“ (LZ) hat Ghadban die Einschätzung vertreten, man könne Deutschland durchaus als eine Art „Disneyland für Clans“ betrachten. Dies liege nicht zuletzt an der Größe der Zahl an Einwanderern aus Ländern mit einer gänzlich anderen Kultur. Die Masse der Einwanderer aus islamischen Ländern verharre in einem Denken, das um die Großfamilie als Grundlage der sozialen Organisation kreise und um religiöse Gesetze, die diese stabilisierten.

In eine individualisierte Gesellschaft integriere man aber keine Gruppen, als deren Teil sich die meisten dieser Einwanderer sähen, sondern nur Einzelpersonen. Wer, wie etwa vom Kemalismus geprägte Einwanderer aus der Westtürkei, mit der westlichen Lebensweise vertraut sei, integriere sich leichter. Demgegenüber seien westlich verfasste Staatswesen in der islamischen Welt jedoch auf dem Rückzug.

Auf die Frage, warum die Clan-Strukturen, die in den anarchischen Verhältnissen von Failed States oder schwacher Zentralgewalten die Sippe in Anbetracht des Fehlens eines wirksamen staatlichen Ordnungsrahmen schützen, in unseren Breiten der Kriminalität Vorschub leisteten, erklärte Ghadban:

Großfamilien aus nomadischen oder halbnomadischen Gesellschaften unterscheiden sich von denen aus bäuerlichen oder städtischen durch einen deutlich höheren Grad an Solidarität untereinander. Das Symbol hierfür ist die Blutrache. Sie hält die Gruppe zusammen und grenzt die restliche Welt als Feindesland aus. Legt man sich mit einem Stammesmitglied an, werden alle mobilisiert.“

Deutschland als „Beutegesellschaft“

Neben der Blutsverwandtschaft stärke auch die Religion die Bindung der Clanmitglieder untereinander, sie schafft einen gemeinsamen Nenner, der auch hilft, Konflikte untereinander zu regeln. Mittlerweile nähmen die Clans selbst Polizeiaufgaben wahr. Dies, so hatte Ghadban bereits vor Monaten in der „Welt“ betont, habe insbesondere bei sozial bereits in ihren Herkunftsländern isolierten Clans wie den Mhallami eine besonders große Bedeutung:

Die unklare Herkunft der Mhallami ist eine Ursache der Solidarität untereinander. Familie und Religion sind ihre Referenz, nicht die staatliche Autorität. Sie können also auch kein Nationalgefühl entwickeln, wie das etwa bei Türken der Fall ist.“

Zudem habe sich gezeigt, dass das Auftreten als Gruppe in einer individualisierten Gesellschaft Vorteile bringe, nicht zuletzt, wenn es um das Einschüchtern von Kontrahenten geht. „Sie verachten deshalb den Rechtsstaat“, schildert Ghadban, und betrachten Deutschland als Beutegesellschaft, auch wenn nicht jeder Clan-Angehörige der Verlockung erliege, auf kriminelle Art Profit zu machen.

Nur Stärke des Staates kann Sippenstrukturen in individualisierten Gesellschaften beeindrucken

In individualisierten Gesellschaften könne sich ein Gemeinwesen gegen solche Strukturen aber nur behaupten, wenn er in der Lage sei, notfalls mit Härte Grenzen zu setzen:

Im Libanon brachte ihre Sippenstruktur keinen Vorteil, weil potenzielle Opfer ebenfalls ihre Sippen mobilisieren konnten. Und außerdem reagierte der Staat sehr viel härter. Im Libanon haben sie niedrige, harte Jobs ausgefüllt.“

Die in Deutschland vorherrschende „Multikulti-Ideologie“ bewirke hingegen das Gegenteil. „Der uneingeschränkte Respekt vor der anderen Kultur führte dazu, dass die Clans keinen Respekt vor unserer Kultur zeigen.“ Mit Blick auf die Einwanderung aus Stammesgesellschaften wie in Syrien oder dem Irak müsse man daraus lernen. Es sei insbesondere in der Justiz im Zeichen des Multikulturalismus tabu gewesen, die kulturellen Hintergründe von Tätern zu benennen.

Der Staat traut sich immer noch nicht, energisch die Parallelwelten aufzubrechen. Es ist auch kein Zufall, dass Clans besonders in den Bundesländern stark sind, die derzeit oder früher von Rot-Grün regiert wurden, Bremen, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Hier regierte zu lange ideologische Blindheit. Die Scheuklappen, die dazu führten, Täter zu Opfern zu stilisieren, müssen abgelegt werden.“

Ghadban, der als Gründungsmitglied des 2015 für „humanistisch“ orientierte Muslime gegründeten Muslimischen Forums Deutschland und als Unterstützer der „Initiative säkularer Islam“ bei den etablierten Islamverbänden und unter konservativen Muslimen umstritten ist, plädiert für eine „demokratische Leitkultur“. Diese bedürfe einer „jahrelangen Erziehung“.

„Man kann sich nicht mit Menschen identifizieren, die sagen, sie hätten keine Identität“

Er hat bereits mehrfach auch das postnationale Selbstverständnis vieler Deutscher kritisiert, die nur noch „Europäer“ oder „Weltbürger“ sein wollen und mit ihrer Tradition und Identität brächen. Gegenüber der „Welt“ erklärte er, dass dieser Sonderweg den Anreiz für muslimische Einwanderer, sich zu integrieren, verringere. Er betonte:

Die Bekämpfung des Nationalismus finde ich wichtig. Aber Identität hat mit übertriebenem Nationalismus nichts zu tun. Wenn einer ein Deutscher ist, dann ist er halt ein Deutscher. Und wenn die Deutschen denken, dass sie selber keine Identität haben, dann ist das in den Augen von Zuwanderern verachtenswert. […] Selbstverständlich hat jeder Mensch eine Identität, und darauf darf man sogar stolz sein. Man kann sich nicht mit Menschen identifizieren, die sagen, sie hätten keine Identität. Warum sollten Zuwanderer dann deutsch werden, sich integrieren wollen? Das birgt für sie nur Nachteile.“

Kritik übte Ghadban auch an der Einwanderungspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gegenüber der LZ sagte er über ihre Politik der offenen Grenzen für Schutzsuchende:

Sie erzählt weiter das Märchen der Hilfeleistung in einer humanitären Notlage. Es gab keine Notlage, die Flüchtlinge waren nach dem ungarischen Asylrecht aufgenommen worden, weigerten sich aber, in die Lager transportiert zu werden.“

Es sei kein Gebot der Humanität gewesen, die Geflüchteten aufzunehmen: „[…] sie kamen nicht aus dem Bürgerkrieg, sondern waren in sicheren Balkanländern. Merkel hat sich über die Dublin-Regelungen hinweggesetzt und viele europäische und nationale Gesetze außer Kraft gesetzt.“

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3 Kommentare zu Migrationsforscher über Parallelgesellschaften: Clan-Familien verachten die deutsche Selbstverleugnung

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  2. Ulrike sagt:

    Die Clans lachen sich kaputt über die Dummheit der Deutschen. So siehts aus.

  3. Annette sagt:

    Laßt uns alle zusammen abwarten, ab wann die ersten Radiosendeanstalten, Zeitungen, Finanzämter, Parteibüros, Autobahnabschnitte, Museen, Bürgerbüros… besetzt werden, um kleine Forderungen erfüllt zu bekommen…

    Ein paar Jahre und dann wird es soweit sein, wetten, daß?
    DA FREUE ICH MICH SCHON DARAUF, Frau KGE

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