Peng!“-Kollektiv – Chemnitz: Antifa-Ausstellung wird abgesagt – und dann doch nicht

Für einen Moment war Sachsen wieder das, was Sachsen für viele ist: Ein Land, das Bedrohungen von rechts gern unterschätzt. Und das gleichzeitig Widerstand von links kriminalisiert. So hatte es jedenfalls ausgesehen, als das Künstlerkollektiv „Peng!“ am Freitagmittag erklärte: „Chemnitz cancelt Antifa-Kunstausstellung“.

Hintergrund ist eine Schau der Berliner Gruppe in den Chemnitzer Kunstsammlungen, in der verschiedene Exponate die Bandbreite antifaschistischen Engagements zeigen sollten. Peng sagte seine Ausstellung ab: Darunter zum Beispiel: Die Spraydose der 75-jährigen Aktivistin Irmela Mensah-Schramm, die berühmt wurde, weil sie rechtsextreme Graffiti übersprüht.

Außerdem sollte eine Kopie des brennenden Einkaufswagens der Connewitzer Silvesternacht gezeigt werden. Aber nun doch nicht? Ein Anruf bei „Peng!“. Und deren Sprecherin erklärt: „Die Kunstsammlungen haben uns zu verstehen gegeben, dass die Ausstellung parteipolitisch neutral sein muss.“ Dies sei aber nicht der Fall, da es im Ausstellungstext heiße: „Parteien wie CDU, AfD und FDP“ hätten das „mediale Bild der Antifa als krawallmachende Steinewerfer*innen“ geprägt. Den Ausstellungstext kürzen?

Das wollte „Peng!“ nicht. Stattdessen entschieden sie, gleich die gesamte Ausstellung abzusagen. Und natürlich brach ein Shitstorm los. „Sachsen, ein Hort des rechten Konformismus“ schrieb jemand auf Twitter. Und jemand anderes fragte, ob man die Kunst nicht im linksliberalen Leipzig ausstellen könne? „Sachsen bleibt Sachsen“ kommentierte die Linke Juliane Nagel.

Sollte die Absage nur Aufmerksamkeit erregen? Nur: War das nicht alles Teil des Plans? Ein Anruf beim Kunstsammlungen-Chef Frédéric Bußmann, der die Absage laut „Peng!“ zu verantworten hatte. „Ja“, sagt er, „ich habe Schwierigkeiten mit den Parteinamen.“

Gerade unter dem Vorzeichen anstehender Bundestagswahlen bemühe sich sein Haus darum, parteipolitisch neutral zu sein. Darum habe er bei „Peng!“ um Bedenkzeit gebeten. „Von einer Absage“, sagt Bußmann, „kann aber keine Rede sein.“ Hat „Peng!“ sich also einfach vorschnell selbst abgesagt? Um Aufmerksamkeit zu erzeugen? Ja, vielleicht war alles nur ein geschicktes Manöver der Berliner, die sich mit Kommunikationsguerilla bestens auskennen. Denn wenn sich Klischees bestätigen, bekommt man Aufmerksamkeit, gerade in Sachsen. Das weiß man auch in Berlin. Vermutlich aber gewinnen am Schluss beide, nämlich Besucher: „Peng!“ und die Kunstsammlungen.

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom 14.08.2020 


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