Ausgangssperren in Italien: Ausschreitungen bei Protesten in Neapel

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Proteste in Neapel gegen Ausgangssperren nach steigenden Corona-Zahlen. | Bildquelle: STRINGER/EPA-EFE/Shutterstock

Stand: 24.10.2020 02:40 Uhr

In Neapel gab es gewaltsame Proteste gegen die Ausgangssperren, die dort wegen rasant steigender Infektionszahlen verhängt wurden. Ministerpräsident Conte will einen zweiten Lockdown verhindern, hat aber einen Plan B.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

In Neapel war es eine unruhige Nacht. Hunderte Menschen gingen im Zentrum der Stadt auf die Straße, aus Protest gegen die Ausgangssperre, die Regionalpräsident Vincenzo De Luca verhängt hatte wegen der stark ansteigenden Zahl von Covid-19-Infektionen. Vor dem Sitz der Regionalregierung kam es zu Auseinandersetzungen der Demonstranten mit Ordnungskräften, Feuerwerkskörper wurden gezündet, zumindest ein Wagen der Polizei mit Farbe beschmiert.

Noch am Nachmittag hatte De Luca mit pathetischen Worten an die Bewohner der Region Kampanien appelliert, sich an die beschlossenen Maßnahmen zu halten und ab 23 Uhr abends bis 5 Uhr morgens zu Hause zu bleiben.

„Es ist offensichtlich, dass wir einem Moment gegenüberstehen, der ernst ist. Ich bitte unsere Bürger um eines: Von heute an es gibt keine Unterschiede mehr, weder politisch, religiös, wirtschaftlich, noch ideologisch. Von heute an seid ihr nur noch Menschen, die gemeinsam etwas dafür tun, das Leben der eigenen Kinder, der eigenen Familien zu verteidigen.“

15 Prozent aller Coronatests positiv

Kampanien war von der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr fast nicht betroffen und hat jetzt die zweithöchste Infektionsrate in Italien. Aktuell sind in der Region knapp 15 Prozent aller Coronatests positiv. Der Anstieg in Neapel und Umgebung macht besonders Sorgen, da die Region mit der Bereitstellung von Intensivbetten im Rückstand ist.

Insgesamt wurden in Italien gestern 19.000 neue Infektionsfälle gemeldet. Am stärksten betroffen ist, wie bereits im Frühjahr, die Region Lombardei mit der Metropole Mailand. Auch dort gilt, wie in Kampanien, aktuell eine Ausgangssperre. Passanten in Mailand aber zeigten sich gelassen und verständnisvoll.

„Normalerweise bin ich um elf so oder so schon im Bett. Daher ändert sich für mich nicht groß etwas. Warten wir ab, ob noch mehr nötig sein wird.“

„Wenn die Intensivstationen wieder voll werden, sind auch noch strengere Maßnahmen in Ordnung.“

Ausgangssperre gegen rasanten Anstieg

Da sich auch in der Lombardei die Betten auf den Intensivstationen füllen, ist gestern das im Frühjahr eingerichtete Covid-19-Nothospital auf dem Mailänder Messegelände erneut aktiviert worden. Die Ausgangssperre, sagt Regionalpräsident Attilio Fontana, solle helfen, den rasanten Anstieg der Infektionszahlen zu bremsen.

„Ich bin besorgt und wachsam. Es ist ein Film, den wir schon einmal gesehen haben. Wir müssen eine Wiederholung verhindern und kontrollieren, dass nicht erneut die Situation zu ernst wird.“

Eine regionale Ausgangssperre gilt seit der vergangenen Nacht auch im Latium. Die Hauptstadt Rom riegelte zudem ab 21 Uhr Orte ab, die beliebte Ausgehtreffpunkte von Jugendlichen sind, wie der Campo de‘ Fiori.

Conte will keinen zweiten landesweiter Lockdown

Während die größten Regionen des Landes ihre Maßnahmen verschärfen, hält sich die nationale Regierung weiter zurück. Ministerpräsident Giuseppe Conte betonte erneut, nach den harten Maßnahmen im Frühjahr wolle er keine zweiten landesweiten Lockdown in Italien. Die Begründung des Regierungschefs.

„Das Land kann sich keinen zweiten Rückschlag erlauben, der auf ernsthafte Weise das gesamte ökonomische Gefüge gefährden würde.“

Trotz seiner öffentlichen Appelle einen erneuten kompletten Lockdown Italiens zu verhindern, scheint der Regierungschef einen Plan B in der Tasche zu haben. Die Zeitung „Corriere della Sera“ berichtet von Absprachen in der Regierung, wonach für das gesamte Land eine Ausgangssperre ab 21 Uhr verhängt werden soll, wenn nicht innerhalb von sechs Tagen die Infektionszahlen wieder nach unten gehen.

Bereits vorher könnten demnach die nationalen Maßnahmen verschärft werden, wenn eine Auslastung von 30 Prozent der Intensivbehandlungsbetten erreicht wird. Im Moment gibt es nur vereinzelt Engpässe, generell hat Italien – anders als im Frühjahr – die Situation auf den Intensivstationen noch im Griff.

Quelle: tagesschau.de und Nachrichtenagentur ADN vom 24.10.2020 


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