US-Putschversuch gegen Maduro: Die US-Regierung hatte ihre Hände im Spiel

03. Dezember 2020
ZUERST!-Hintergrund: US-Putschversuch gegen Maduro: Die US-Regierung hatte ihre Hände im Spiel
INTERNATIONAL

Miami/Caracas. Die amerikanische Militäraktion gegen Venezuela im Mai dieses Jahres ist längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Die Operation unter dem Decknamen „Gideon“ richtete sich unmittelbar gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro und sollte den vom Westen unterstützten Putsch-„Präsidenten“ Guaidó an die Macht hieven. Dabei landeten am 3. und 4. Mai Schnellboote mit bewaffneten Männern an der venezolanischen Küste, wurden aber von den Sicherheitskräften des Landes abgefangen. An der Operation waren zwei US-Söldner und 50 Einheimische beteiligt. Bei anschließenden Fahndungsmaßnahmen wurden mehr als 40 Personen festgenommen.

Nach über einem halben Jahr könnte jetzt mehr Licht in die immer noch dubiose Geschichte kommen, weil der Chef des US-Sicherheitsunternehmers Silvercorp, Jordan Goudreau, in dessen Auftrag die beiden US-Söldner den Putschversuch in Venezuela unternahmen, seinen venezolanischen Vertragspartner wegen Nichterfüllung des Vertrags verklagt hat. Der Klagewert beläuft sich auf 1,4 Millionen US-Dollar, die Klage ging inzwischen beim Bezirksgericht von Miami-Dade County ein.


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Beim Beklagten handelt es sich um den venezolanischen Oppositionsberater und Finanzier Juan Jose („JJ“) Rendon. Er lebt in Miami und behauptet, die Verhandlungen der venezolanischen Opposition mit Coudreau seien seinerzeit abgebrochen worden, weil er seine Zusagen hinsichtich Finanzierung und Personal nicht einhalten konnte. Rendon trat kurz nach dem gescheiterten Putschvorhaben von seinem Posten als Berater Guaidós zurück.

Die spannendere Rolle bei der juristischen Putsch-Aufbereitung spielt allerdings Goudreau. Er behauptete in mehreren ausführlichen Interviews in US-Zeitungen, er sei bei seinem Putschvorhaben vom Weißen Haus unterstützt worden und habe sich mit Regierungsvertretern im Trump Hotel in Washington und im Trump National Doral-Resort in Florida getroffen. In der Klageschrift werden namentlich Andrew „Drew” Horn und Jason Beardsley genannt.

Horn war seinerzeit Berater von Vizepräsident Mike Pence, Beardsley Berater des Ministeriums für Veteranenangelegenheiten. Gourdeau, der selbst Elitesoldat war, behauptet explizit, daß die Regierungsvertreter seine Putschbemühungen unterstützten. Horn soll in diesem Zusammenhang versprochen haben, Regierungsgenehmigungen für die Beschaffung von Waffen zu besorgen.

Ein Sprecher von Pence bestritt unterdessen, daß der Vizepräsident Kenntnis von dem Vorhaben hatte, und sagte, dieser kenne Horn überhaupt nicht. Ein namentlich nicht näher genannter Beamter sagte demgegenüber allerdings aus, Horn habe dem Büro des Vizepräsidenten zugearbeitet, sei aber nicht für Venezuela zuständig gewesen.

Goudreau gab darüber hinaus an, daß er persönlich oder per Video-Konferenz Unterredungen mit mehreren venezolanischen Oppositionsvertretern hatte und Anführer wie Guaidó und Leopoldo López informierte.

Will man Goudreau Glauben schenken, dann war der bei ihm in Auftrag gegebene Putschversuch nicht das einzige Umsturzvorhaben in Venezuela – es soll auch ein Konkurrenzangebot einer anderen Firma gegeben haben, nämlich der Sicherheitsfirma Frontier Services Group. Derzeit, behauptet der Ex-Militär auf Medienanfragen, arbeite er hauptsächlich auf die Freilassung der beiden in Venezuela inhaftierten Ex-Soldaten Airan Berry und Luke Denman hin, die an der Aktion im Mai beteiligt waren. Die beiden wurden im August wegen Terrorismus und anderer Verbrechen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Der selbsternannte venezolanische Interimspräsident Guaidó bestreitet seit der gescheiterten Operation im Mai jede Verbindung zu der Aktion. Allerdings ist seine Unterschrift auf einer geleakten Kopie des Vertrages mit Silvercorp zu sehen. Außerdem tauchte inzwischen ein Video auf, das ihn nach dem Scheitern des Putschplans im Gespräch mit Goudreau zeigen soll. Es soll auch eine vollständige Kopie des Vertrags kursieren – einschließlich einer Klausel, die es Guaidó erlaubt, jegliche Beteiligung zu leugnen, falls die Operation fehlschlagen sollte.

Die US-Regierung unter Präsident Trump distanzierte sich im Mai sehr rasch von der gescheiterten Invasion. Außenminister Mike Pompeo sagte gegenüber Medien, „daß es keine direkte Beteiligung der US-Regierung gab“, und versprach, die Rückkehr der inhaftierten US-Soldaten sicherzustellen. (mü)

Quelle: zuerst.de vom 03.12.2020

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