Syrien: Schlüssel zum Frieden oder zum dritten Weltkrieg – Russlands Rolle wichtiger denn je

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flickr.com/ wallyg/ (CC BY-NC-ND 2.0)

Das große geopolitische Spiel wird z. Z. im UN-Hauptquartier in New York ausgetragen, wo sich die Mächtigen versammelt haben, um ihre Positionen und Vorstellungen vom Kampf gegen den „Islamischen Staat“ zu definieren und zu erläutern. Die Reden von Barack Obama und Wladimir Putin zeigten auch deutlich wie sehr die Meinungen der mächtigsten Staatsoberhäupter auseinander liegen und schier unvereinbar scheinen, denn hier geht es um den Kampf um die Weltherrschaft und globale Ressourcen, in denen die wichtigsten Akteure ihre Interessen mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln durchzusetzen versuchen.

Dabei ist von großer Wichtigkeit, welche Rolle künftig die EU spielen wird – ob Europa endlich aufwachen, oder weiterhin in der gehorsamen Gefolgschaft der US-Politik bleiben wird. Um diese Politik verstehen zu können, müsste man Geschichte und Geographie sehr gut kennen.

Vor einigen Jahren hat sich die US-Außenministerin Madeleine Albright verplappert, als sie sagte, dass Russland zu Unrecht über ein Drittel der Ressourcen der Welt verfügt, weil „Sibirien leider in die Hände der Russen gefallen sei“. Die russischen liberalen Medien haben daraufhin konsequent und beharrlich versucht, den Massen in Russland einzubläuen, dass China alles versuchen wird, die Reichtümer Sibiriens von dem geschwächten Russland zu nehmen. So wurde China als der größte Feind Russlands dargestellt, obwohl vom chinesischen Gebiet noch nie eine Invasion gegen Russland ausgegangen war, wie die Eroberungs- und Räuberzüge von Napoleon oder Hitler.

Aus diesem Grund ist es sehr wichtig, die Geschichte gut zu kennen und zu studieren, um somit Schlüsse ziehen zu können. Ein historisches Gedächtnis muss daher in regelmäßigen Abständen immer wieder aktualisiert werden. Und nun zurück zur Geographie im Hinblick auf das heutige geopolitische Gleichgewicht, wobei die Vereinigten Staaten dazu neigen, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Die Amerikaner haben heute zwar eine globale Führungsrolle, aber nicht die Weltherrschaft und die alleinige Domination. Um das zu erreichen, müssten die USA alle Ressourcen der Welt kontrollieren können. Amerika kann die menschlichen Ressourcen Chinas nicht kontrollieren, aber China ohne Mineralressourcen ist auch kein ernsthafter Gegner. Die globalen Mineralressourcen kontrollieren die Vereinigten Staaten und Russland. Mit der Kontrolle der russischen Quellen und Ressourcen könnten die USA die ersehnte Weltherrschaft erreichen.

Die Schlussfolgerung ist jetzt nun mal klar. Das Hauptziel der USA ist eine Zerschlagung Russlands, um Sibirien zu trennen und unter der Kontrolle in Form eines informellen Protektorats wie jetzt in der Ukraine zu stellen. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hier um eine Zerstückelung und nicht um die Zerstörung Russlands handelt. Russland sollte in verkürzten Grenzen bis zum Ural als natürlicher Puffer für Europa gegenüber der muslimischen und chinesischen Zivilisationen bleiben. Damit sich die europäischen Demokratien auf ihrer europäischen Halbinsel auch sicher fühlen können, braucht Europa ein geschrumpftes Russland, das militärisch in der Lage wäre, den Ansturm der Islamisten erfolgreich abzuwehren.

Diese Idee ist nicht von gestern und alles, was vorher passiert war, wie der Bürgerkrieg in Syrien und Irak, die Entstehung vom IS und die ukrainische Krise – all das war nur eine Ouvertüre. Der wahre Kampf beginnt erst. Der Plan für die Zerstückelung des historischen Russlands ist inzwischen so offensichtlich, dass man ihn bereits sehen kann. Es scheint, dass die russische Führung an all das nicht glauben wollte, aber seitdem die Realisierung dieses Plans begonnen hat, wurden die Handlungen Moskaus schnell und sehr wirksam.

Es ist auch klar, dass nach der ethno-konfessionellen Karte der Hauptangriff gegen Russland aus dem Süden und über Zentralasien erfolgen wird. Die schwierige Lage in diesen Ländern, Arbeitslosigkeit und Armut, könnten Hunderttausende von wütenden Menschen in die Reihen des IS treiben, der in der Lage wäre, die aktuellen Regime schnell zu beseitigen, um dann sich im relativ sicheren Gebiet von Kasachstan auszudehnen, das ohnehin aufgrund von niedrigen Rohstoffpreisen ins Wanken geraten ist. Russland ist prinzipiell in der Lage, alle diese Vorgänge unter Kontrolle zu bringen, aber mit einem enormen Aufwand und unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten. Im Fall eines Misserfolgs würde der IS in die Nähe von Omsk kommen. Wenn sich dann Tatarstan und Baschkirien erheben, würden die Amerikaner kurz vor dem Ziel stehen: das Gebiet von Russland zu verringern.

Für die Verwirklichung dieses Ziels müssten zwei Dinge gemacht werden. Als erstes, die Hauptkräfte des Islamischen Staates nach Zentralasien zu entsenden und zweitens, die russischen militärischen Kräfte an einer zweiten Front zu binden. Die Nebenstrecke für den Vormarsch von Islamisten wäre Kaukasus, wo jetzt die Situation noch unter Kontrolle ist, aber es gibt keinen Zweifel daran, dass der Feind erneut aus dem Kaukasus zuschlagen wird. Sie würden gegen Russland für den Islamischen Staat kämpfen.

Der Präsident von Aserbaidschan, Ilham Alijew, hat bereits begriffen, dass er als erster auf dem Weg des Islamischen Staates steht und mit dem Prozess der Abschottung vom Westen begonnen. Er war klug genug, um nicht einen neuen Krieg für Nagorno-Karabakh gegen Armenien zu beginnen, in den er vom Westen so gedrängt wurde. Er könnte bald viel größere Probleme als Bergkarabach bekommen.

Die zweite Front gegen Russland war und ist die Ukraine, die ursprünglich als die erste sein sollte. Die Ereignisse in der Ukraine, Syrien und Irak sind fast gleichzeitig geschehen und wurden von den Amerikanern initiiert und verursacht. Nach dem ursprünglichen Plan sollte Russland voll im Krieg gegen die Ukraine verstrickt werden, damit der IS über Zentralasien leichter zuschlagen kann. Dies ist allerdings nicht passiert, weil Putin nicht in die offen gestellte Falle der Amerikaner gelaufen ist. Wladimir Putin und die russische Führung haben meisterhaft auf die globalen Provokationen der Amerikaner in der Ukraine reagiert. Russland wurde nicht in den Konflikt mit der Ukraine hineingezogen, und die Sanktionen des Westens haben immer noch kein globales Ausmaß erreicht. Russland ist es gelungen, die Krim ohne Blutvergießen zurück zu gewinnen und hat außerdem die Pufferstaaten von Lugansk und Donezk geschaffen, die militärisch der ukrainischen Armee ebenbürtig sind.

Der taktische Erfolg der Russen ist mehr als sichtbar. Die Armeen von Lugansk und Donezk werden nicht im Stich gelassen und können die Front gegen die ukrainischen Faschisten halten so lange wie nötig, was wiederum den Russen es leichter macht, sich im Nahen Osten mehr zu engagieren, mit dem Ziel, den Islamischen Staat zu zerschlagen. Syrien und Assad dürfen nicht wie Libyen mit Gaddafi aufgegeben werden und fallen. Die Zerschlagung von Libyen hat bereits eine geopolitische Katastrophe in Afrika verursacht. Eine noch größere Katastrophe könnte sich mit dem Fall von Assad und mit dem Kollaps der syrischen Armee und des syrischen Staates in Zentralasien ereignen. Die russische Führung hat aus der Geschichte gelernt, weil die Aufgabe von Stalingrad eine geostrategische Katastrophe im Zweiten Weltkrieg gewesen wäre.

Alle Behauptungen der Amerikaner über die Koalition im Kampf gegen den Islamischen Staat sind reine Lüge und Heuchelei. In Wirklichkeit bekämpfen sie den Islamischen Staat nicht. Die USA werden mit Sicherheit versuchen, Russland aus Syrien zu verdrängen. Der Druck auf Russland wird sicherlich sehr groß sein, aber Putin darf jetzt nicht nachgeben.

Die Amerikaner werden ohnehin bald auf die Frage antworten müssen, woher der Islamische Staat Milliarden von Dollar, Ölfelder und die modernsten westlichen Waffen hat. Das primäre Ziel der Amerikaner war, Assad mit Hilfe des IS zu stürzen und Syrien zu zerstören. Den Krieg gegen den IS haben die USA nur simuliert, um die tatsächlichen Ziele zu verstecken.
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Die Zeit wird zeigen, wie sich die Ereignisse entfalten werden. Nachdem die russische Führung die globalen geopolitischen Provokationen im Nahen Osten und in der Ukraine regelrecht verschlafen hat, wurde mit den jetzigen taktischen Zügen Russlands der Erfolg der Amerikaner stark gemindert. Aber die Gesamtsituation ist nach wie vor äußerst schwierig. Deshalb muss ohne Illusionen verstanden werden, dass Syrien der Schlüssel zum Frieden aber auch zum dritten Weltkrieg werden könnte.

Marko Jošilo

Quelle: buergerstimme.com vom 29.09.2015

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