Coronakrise: Die Regierung lässt die Gastronomen im nicht vorhandenen Regen stehen

Leerstand und kein Ende (Symbolbild:Imago/Simon)
 

Während der Handel zumindest Licht am Ende des Tunnels sieht und ab kommender Woche wieder öffnen darf, geht für die Gastronomie die Tortur weiter: Vor allem für Bars, Restaurants und Discotheken gilt weiterhin der totale Lockdown, es gibt nicht einmal einen Termin für zumindest eingeschränkte Wiedereröffnungen. Ausgerechnet eine der kapitalschwächsten, krisenanfälligsten Branchen gerät damit in akute Existenznot.

Sowenig Sinn die willkürliche Festlegung von Flächenobergrenzen im Einzelhandel ergibt, wo nur Geschäfte kleiner/gleich 800 Quadratmetern öffnen dürfen, so wenig ist logisch nachzuvollziehen, wieso zumindest Restaurantbetriebe weiterhin geschlossen bleiben müssen. Vereinzelung von Tischen, Abstandsregeln, Mundschutzpflicht für Personal, Einlassbeschränkungen, wie sie auch im Handel gelten sollen – all dies ließe sich problemlos auch in der Gastronomie umsetzen. Fast sieht es so aus, als würde dem Gastgewerbe ihre traditionell schwacher Lobbyeinfluss in der Politik einmal mehr zum Verhängnis werden: Bei den Mächtigen fristen die gastronomischen Verbandsvertreter, anders als die meisten Wirtschaftszweige, ein Stiefmütterchendasein, ihre Forderungen gelten als die verzichtbarsten.

 

Weit gefehlt. Denn nicht nur in Fragen der leiblichen Grundversorgung, sondern vor allem was das gesellschaftliche Leben betrifft, sind Einkehrmöglichkeiten elementare Dienstleister. Dabei geht es nicht nur um die Zwangskarenz von einigen Wochen oder gar Monaten, in denen wegen der Ausgangsbeschränkungen ohnehin niemand an Restaurant- oder Kneipenbesuche denkt – sondern vor allem um die Zeit nach Corona: Die Politik muss sicherstellen, dass bis dahin überhaupt noch genügend gastronomische Anbieter überleben.

Genau danach sieht es aber nicht aus; im Gegenteil: Am Mittwochabend, nachdem Bund und Länder über ihre Beschlüsse zur Fortdauer der Corona-Beschränkungen informiert. Gastronomiebetriebe informiert hatten, war die Betroffenheit unter Deutschlands Wirten groß. Nicht nur müssen sie ihre Betriebe weiterhin geschlossen halten; auch Großveranstaltungen, die „für die Branche ebenfalls eine wichtige Rolle spielen“, wie die „Stuttgarter Zeitung“ schreibt, bleiben bis zum 31. August in Deutschland verboten.

Die vergessene Branche

Branchenvertretern gaben denn auch nach der vorgestrigen Pressekonferenz von Angela Merkel und Markus Söder ihrer Enttäuschung Ausdruck, vor allem, dass noch nicht einmal über ein ungefähres Öffnungsdatum bekanntgegeben wurde. Die Lage ist mehr als ernst: Trotz der zahlreich ausgezahlten Soforthilfen droht den meisten Unternehmern in kürzester Zeit die Insolvenz, sollte der Shutdown noch einige Wochen anhalten. Deshalb ist es ein blanker Hohn, wenn der bayerische Ministerpräsident als „Entspannungssignal“, wie das Branchenportal „hogapage.de“ es nennt, ausgesendet hat und die „kleine Hoffnung“ nennt, Restaurants und Hotels könnten „an Pfingsten“ – Ende Mai! – wieder öffnen.

Dass dies viel zu spät kommt, wird alleine am Beispiel des kaufkräftigen und prosperierenden Baden-Württembergs deutlich, wo die Gastronomie vor der Krise im Bundesvergleich kerngesund dastand: Der Gaststättenverband Dehoga rechnet alleine dort – laut „Stuttgarter Zeitung“ – schon jetzt mit über 10.000 Pleiten. Das wäre jeder dritte Gastronomiebetrieb – mit der Folge von zehntausenden Arbeitslosen. Von der Politik zeigt sich der Dehoga denn auch „bitter enttäuscht“.

Hilfen reichen zum Überleben niemals

Die Gastronomen waren „die ersten, die geschlossen wurden, und sind nun die letzten, die wieder öffnen dürfen“, sagt ein Sprecher des Verbands; weder bisherige Hilfsgelder des Staates noch Rettungsmaßnahmen genügten auch nur annähernd, um die Umsatzverluste auszugleichen: „Der Liquiditätsbedarf zum nackten Überleben liegt über alle Größenklassen hinweg bei ungefähr dem Vierfachen der ausgezahlten Beträge“, zitiert die Zeitung den Verband.

Nicht anders, eher schlimmer sieht es in anderen Bundesländern aus. Sachsen-Anhalts Dehoga-Landeschef Michael Schmidt empörte sich laut „Mitteldeutscher Zeitung“ über die „Lockerungen“, die seine Klientel außen vor ließen: „Dass die Gastronomie in den Beratungen offenbar gar kein Thema war, ist eine Frechheit!“. Er verstehe nicht, was der Unterschied „zwischen der Ansteckungsgefahr in einem Laden mit 800 Quadratmetern und einem gleichgroßen Restaurant“ sei. Auch in Sachsen-Anhalt drohte eine Insolvenzwelle. Es scheint, als ob Bund und Länder vorsätzlich eine ganze Wirtschaftssparte vor die Wand fahren lassen – mit unabsehbaren Folgen für Gesellschaft und Lebensqualität. (DM)

 

Quelle: journalistenwatch.com vom 17.04.2020


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Ein Kommentar zu Coronakrise: Die Regierung lässt die Gastronomen im nicht vorhandenen Regen stehen

  1. ulrike sagt:

    War doch klar. Man schiebt lieber ADIDAS – einer Firma die durch uns Milliarden verdient – Millionen in den Hintern.

    Die kleinen Leute interessieren doch nicht. Jetzt wachen hoffentlich die Menschen auf und merken wie sie verarscht werden von unseren Regierenden.
    Wann kommt die fällig Revolution ?

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